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Außergewöhnliche Röhrenradios


Geräte in dieser Rubrik:

Skantic S295M,  TO-R Olympic 349,  Grundig 5080,  Philips Capella Reverbeo B7X43A,  Siemens Regalsuper RB33 und RG44,  SABA Freiburg 7 Automatic 

Achtung! Hochspannung! Lebensgefahr! Arbeiten an Röhrenradios erfordern Fachwissen. Ich beschreibe hier die Geräte und was ich an Arbeiten durchgeführt habe. Dies sind Informationen und keine Nachbau-Anleitungen.



1. Der Skantic   (S 295 M )

 

Skantic Logo"Der Skantic" ist ein "Tonmöbel" aus den 50-er Jahren. Er stammt aus Schweden, wo ich ihn in einem Winterurlaub 1989 entdeckt hatte. Er stand einsam und verstaubt in einer Kammer herum und wurde nicht mehr genutzt. Da er mein Interesse geweckt hatte, habe ich dem Eigentümer am 31.12.89 mittags für das Gerät eine Flasche hochprozentigen Rum (54%) angeboten, worauf hin er mir das Gerät nach einem längeren Vortrag über defekte und abgestandene Röhren und nicht formierte Elkos überließ.
Für die Rückreise wurden die Beine abgeschraubt und das Gerät auf der Rücksitzbank des Autos abgelegt.
Ich hatte das Gerät schon im Ferienhaus mit Erfolg in Betrieb genommen. Es war nichts defekt und auf Langwelle war der damals neue Sender Atlantic252 zu hören. Inzwischen ist der Sender auch Geschichte...

(Ich war damals sehr überrascht, dass man auf Langwelle einen komerziellen Pop-Sender installiert hatte.)
Heute wird die Frequenz von RTÉ Radio 1, einem irischen Sender, genutzt.
Der Sender ist in Norddeutschland gut zu empfangen. Vermutlich wird er aber auch bald Geschichte sein, weil die Betriebskosten zu hoch sind (siehe Radio Today).

Der Skantic ist ein Kombi-Gerät, mit dem man unter anderem auf einem Stahldraht (Tondraht) Sprache und Musik aufzeichnen kann. Heute würde man Kompaktanlage zu dem Gerät sagen. Ein derartiges Drahttongerät hatte ich zuvor nicht gesehen.

In der Zubehörschublade des Tonmöbels fanden sich auch einige Nadeln für den Plattenspieler (Schellackplatten) und
Tondrähte auf mehreren Spulen sowie ein Mikrofon.

Bei genauerer Hinsicht fällt auf, daß dieses Gerät sehr denen der Fa. Luxor ähnelt. Eine kurze Übersicht zur Tondrahtgeschichte und einige Bilder zu Geräten der Fa. Luxor finden sich hier: http://www.johansoldradios.se/wire-recorders

Skantik GesamtansichtDas Skantic Tonmöbel

Typ: S 295 M

Links ist das Plattenspielerlaufwerk zu erkennen. Es dient gleichzeitig auch als Laufwerk für den Tondraht. Im rechten Teil befindet sich der Rundfunkempfänger. Der Vogel auf dem Lautsprecherbespannstoff trägt den Schriftzug "Skantic Radio" (s.o.). Er dient als Betriebskontrolleuchte.

Für das Radioteil und das Laufwerk gibt es je eine Abdeckklappe. Die Klappe vom Laufwerk ist abschließbar.

Das Drahttongerät:
Zur Aufzeichnung von Rundfunkprogammen, Schellackplatten oder Mikrofonsignalen wurde ein dünner Stahldraht verwendet.  Bei einer Geschwindigkeit von ca. 60cm/sec. ergibt sich für eine Spieldauer von 1 Stunde eine Drahtlänge von etwa 2km, die sich bequem auf einer Spule von 7cm Durchmesser aufwickeln lassen, da der Tondraht einen Duchmesser von nur 0,09mm hat. Bei der Aufnahme / Wiedergabe wird der Tondraht von der kleinen Spule abgewickelt und auf eine Trommel, die gleichzeitig als Plattenteller dient, umgespult. Als Einfädelhilfe dient ein Vorspann aus Papier. Dieser Vorspann klemmt in der Spulvorrichtung des Plattentellers, sodass man den dünnen Draht nicht manuell fixieren muss. Beim Zurückspulen wird der Papiervorspann auf die Tondrahtspule gewickelt, auf der er ebenfalls leicht klemmt. Somit kann der Tondraht nicht von der Spule herunterfallen.
Der bespielte Draht kann immer wieder "gelöscht" und für neue Aufnahmen verwendet werden.
Mit einem Drahttongerät war bereits Anfang der 50-er Jahre ein Frequenzumfang von 50-10.000 Hz möglich.

TondrahtspuleTondrahtspule der Fa. Skantic.

Der Außendurchmesser beträgt 7cm.
Im Vordergrund ist der Papierstreifen, der zur Drahtfixierung dient,  gut zu erkennen.

Wie mit einem gerissenen Draht
verfahren wird, ist in dem Artikel "Tondraht, ein Stück Technikgeschichte"  des Stadtarchivs Hildesheim nachzulesen.

Die beiligenden Spulen sind noch mit Tondokumenten aus der damaligen Zeit bespielt, schwedischem Rundfunkprogramm und Mikrofonaufzeichnungen.

Beispiel des Originaltons. Es ist ein BBC Mitschnitt (Victor Sylvester), vermutlich Ende der 50-er Jahre aufgezeichnet. 
Zwischen dem ersten und zweiten Musikstück befindet sich ein Schnitt. Das "Rascheln" im Hintergrund ist nicht auf der Aufzeichnung, sondern wurde durch einen schlechten Kontakt am Drahttongerät erzeugt (580k).

Erfunden wurde die magnetische Tonaufzeichnung von dem dänischen Elektroingenieur Valdemar Poulsen , 1869–1942. Er erfand (1898) das Telegraphone (ein frühes Draht Aufnahmegerät) . .

Drahttonspule und VerpackungTondrahtspule und Verpackungen.Tondrahtspule und Verpackungen.

SKantic Plattenspieler LaufwerkDas Platten / Drahtlaufwerk
Links befindet sich die Bedienleiste. Hier wird das Laufwerk an- oder ausgeschaltet, auf Platten- oder Drahtwiedergabe und auf die unterschiedlichen Aufnahmenquellen geschaltet.
Links unten befindet sich die Aufnahme für die Drahtspulen. Der silberfarbene Block in der Mitte ist der Tonkopf und rechts liegt der Plattenteller, in dem ein Spalt vorhanden ist, in dem der Draht beim Abspielen aufgewickelt wird.
Rechts unten steht eine Tondrahtspule mit abgerissenem Vorspann.
Oberhalb des Plattentellers befindet sich eine Art Zählwerk. Die Zählung  erfolgt in Minuten.

Die Aufzeichnung auf Draht ist, das zeigen die Erfahrungen mit dem hier vorliegenden Material, langlebig. Im Gegensatz zur Aufzeichnung auf Polyesterfolien, die mit einer magnetischen Schicht versehen sind , also Tonbandkasetten und Tonbändern, kann der Tondraht kein Wasser aufnehmen, was bei Tonbändern zu Quietschen führt, und es kann sich die Magnetschicht nicht lösen. Ein weitere Vorteil ist die Temperaturbeständigkeit. Mir liegt eine Drahtspule eines Flugschreibers vor, die ein sehr ähnliches Aussehen hat.

Skantic Plattenspieler Betrieb 1Das Laufwerk im Betrieb

Rechts liegt das beleuchtete Zählwerk.

Die Lampe unter dem Tonarm dient zur Beleuchtug des Laufwerks im Ganzen. Hiermit ist es einfacher, bei schlechten Lichtverhältnissen eine Platte aufzulegen oder einen Tondraht einzufädeln.

(Das Bild wurde mit 1/8-tel Sekunde ohne Blitz aufgenommen)

Damit der Tondraht möglichst gleichmäßig gewickelt wird, bewegt sich der Tonkopf im Betrieb auf und ab.

Tonkopf obenTonkopf oben

Auf diesem Bild befindet sich der Tonkopf oben. Bei genauem Hinsehen ist zwischen Tonkopf und Plattenteller der Tondraht zu sehen.

Tonkopf untenTonkopf unten

Hier ist der Tonkopf unten

Das Radio:
Der Skantic  S295M ist mit einem sehr komfortablen Radioteil ausgestattet. Es beinhaltet  Langwelle, Mittelwelle und Kurzwelle, verteilt auf drei Bereiche. Von 11m bis 120m.
UKW und FM hat er noch nicht.
Die Abstimmung ist mit einem großen und schweren Schwungrad versehen, sodass man am Abstimmknopf einmal kräftig Schwung holen kann und sich der Zeiger dann über den gesamten Abstimmbereich bewegt.

Der NF-Teil ist auch sehr großzügig gebaut:
Großer Lautsprecher  mit einem Verstärker, der problemlos auch tiefste Frequenzen wiedergeben kann. Dementsprechend klingt der Skantic dann auch "bullig".

Lautstärkepoti und Einschalter befinden sich an der rechten Außenseite des Gerätes. Der Sinn kann darin liegen,daß man so das Gerät aus- und einschalten kann, ohne die Abdeckklappe öffnen zu müssen. 


Skantic  S 295 M Röhrenbestückung
Die Röhrenbestückung:
Radioteil:      6J6 - EM4 - 6BA6 - 2 Stk. 6AV6 - 
                   2 Stk.  6P25
Netzteil:        AZ4
Magneton:    6X4 - 6AQ5 - 6AT6 - EF40


Skantic S295M RadioteilDas Radio.

Links sind die Bedienelemente für die Höhen- und Basseinstellungen.

In der Mitte liegt der Drehknopf für die Senderwahl und

rechts ist der Bandwahlschalter.



Skantic S295M SkalaDie Skala des Skantic:

Sehr übersichtlich gestaltete Skala für alle Wellenbereiche.
Links oben leuchtet das Magische Auge. In diesem Gerät ist es eine EM4.
Da die originale EM4 schon sehr dunkel war, schenkte mir ein Freund
- DJ0UD - eine Neue.

Auch von Innen und der Rückseite ist der  Skantic S295M recht ansehnlich und durchdacht. Die Rückwand läßt sich ohne Werkzeug sehr einfach abnehmen. Hierzu sind im unteren Bereich zwei Veriegelungen zu öffnen. Danach läßt sich die Rückwand sehr einfach abnehmen.

Skantic Radio S295M RückwandRückwand des Radioteils.
Beim Abnehmen der Rückwand wird das Netzkabel über eine Steckverbindung vom Gerät getrennt.

Skantic InnenansichtInnenansicht des Skantic:

Rechts ist z.T. der Lautsprecher sichtbar.
Die große Röhre im Vordergrung ist der Gleichrichter, die beiden übereinander angeordneten Röhren sind die NF-Endstufe.





2. Der TO-R (Olympic 349)

 

Torlogo_kleinDer "TOR" Olympic 349 wurde von mir auf einem Flohmarkt gekauft. Er war leider in einem stark angegriffenen Zustand. Das Gehäuse musste komplett abgeschliffen und neu lackiert werden. Elektronisch war er im Grunde einwandfrei, sodass das Innere nur gereingt werden musste.
Auf Grund seines hohen Alters hat dieses Röhrenradio keine UKW / FM Funktionen.

Somit kann er auf den Bändern
KW III : 16m .... 26m
KW II  : 30m .... 50m
KW I   : 75m ... 200m
MW     : 200m ... 550m
LW     : 800m ... 1900m
empfangen.



TO-R Olympic 349 FrontansichtTOR Olympic 349 von vorne.

Ich nenne ihn deshalb "Lamelle", weil der Lautsprechergrill lamellenförmig konstruiert wurde.

Die Bedienelemente von links nach rechts:
Lautstärke 
Bässe
Ausschalter und Bandschalter
Höhen
Senderwahl


Das Radio wurde von TO-R Radio A/S; Vanløse in Dänemark ca. 1948 gebaut.
Es ist ein Allstromgerät und damit ist der Betrieb ohne einen passenden Trenntrafo lebensgefährlich, denn es ist kein geräteinterner Transformator vorhanden.


Rückwand_kleinAnsicht des Radios von hinten.

Der Netzanschluß ist fest mit der Rückwand verbunden und wird bei der Demontage der Rückwand vom Chassis abgezogen.



Die Röhrenbestückung ist:

UCH21,  UAF42,  UAF42,  UBL21,  UM4,  UY1.



3. Der Grundig 5080

 

Grundig 5080 Typbezeichnung kleinDas erste Radio, an das ich mich erinnere, ist das Familiengerät
Grundig 5080 (HiFi Zauberklang)
. Bis zur Anschaffung einer Stereo-Anlage war es das Wohnzimmer-HiFi-Gerät zum Radiohören und Abspielen von Schallplatten.
Nachdem die Stereo-Anlage angeschafft war, wurde es ins Kinderzimmer verbracht und diente dort noch viele Jahre als Audio-Gerät; vorzugsweise, um unsere Kinderplatten abzuspielen.
Im Laufe meiner Jugend kam es dann "unter die Räder".
Nun habe ich mir dieses Modell nochmal "geangelt". Leider hat die Skalenscheibe mehrere Glasbrüche, aber vielleicht bekomme ich sie auch noch repariert.
Der Zustand des Gerätes ist als gut zu bezeichnen. Es wurde einmal repariert, zeigt aber keinerlei Verbastelungen, alles im Originalzustand und vom Fleck weg funktionsfähig. Allerdings ist das Gerät stark verschmutzt gewesen (ekeliger Dachboden-Staub). Der Lack weist nur geringe Beschädigungen auf. Defekt waren die elektrostatischen Hochtöner (Kondensatorhochtöner  oder auch Elektrostaten). Sie gaben keinen Mucks mehr von sich. Zusätzlich sind der Selen-Gleichrichter und ein Netzteil-Widerstand beschädigt.
Vermutlich lag ein Überlast-Fall vor, der zur Beschädigung des Gleichrichters geführt hat. Weil nun sein Innenwiderstand stark erhöht ist, habe ich ihn mit 4 Silizium-Dioden "überbrückt". Diese Dioden habe ich direkt an die Anschlußkontakte des  Gleichrichters gelötet und die Selen-Säule beibehalten.
Daraus resultierte eine erheblich zu große Betriebsspannung. Da aber auch das Radio nicht für 230V, sondern nur für 220V gebaut ist, und auch die Heizspannung zu groß war, habe ich für's Erste bechlossen, auf der Primär-Seite des Netztrafos einen Zement-Vorwiderstand von 47Ohm / 10W zu ergänzen. Hiermit stimmen im Betrieb nun die Anoden- und Heizspannung.

Reparatur-Vorgehensweise:

1. Selengleichrichter:
Im Falle eines defekten (hochohmigen) Selengleichrichters (B250 C150 N2) können als Ersatz 4 Dioden oder ein passender Brückengleichrichter verwendet werden. Üblicherweise wird die Diode 1N4007 empfohlen.  Ich habe die Glasdiode BY448 verwendet, weil ich davon sehr viele vorrätig habe.

Grndig 5080 SelengleichrichterEinbau der Ersatz-Dioden bei einem beschädigten Selengleichrichter:

Die Dioden wurden so abgelängt, dass die Drähte genau den gleichen Abstand haben, wie die Kontakte an der Gleichrichtersäule.

Ich habe die 4 Dioden im Vorfeld zu einem Quadrat verlötet, die Drähte ca. 2cm lang gelassen und das vorgefertigte Diodenquartett auf den Gleichrichterkontakten bestückt.

Hier kamen 4 Stk. BY 448 zum Einsatz
.

Rechts im Vordergrund ist der beschädigte 2W-Widerstand R84 (500 Ohm) sichtbar.

Und nicht vergessen: Auf die Anodenspannung achten! Ggf. einen Serienwiderstand vorsehen.

Zum heutigen Tag liegt noch keine endgültige Festlegung zur Befestigung des 47R-Widersatandes vor, daher gibt es keine weiteren Beschreibungen.

2. Kondensatorhochtöner  /  elektrostatischer Hochtöner  /  Elektrostat
(electrostatic tweeter repair)

Grundig ElektrostatIm Regelfall sind die beiden elektrostatischen Hochtöner im 5080 defekt.
Hinweise zum Aufbau und zur Reparatur sind im Internet selten. Daher beschreibe ich an dieser Stelle, wie die Teile überarbeitet werden können.
Die Funktionsweise der Hochtöner beruht auf dem elektrostatischen Prinzip: Zwei leitende Flächen unterschiedlichen Potentials ziehen sich an.
Je größer die Feldstärke zwischen den beiden leitenden Flächen ist, desto größer ist die Anziehungskraft.
Bestimmt wird diese Kraft durch den Abstand der Flächen zueinander und die Spannung zwischen den Flächen.
Einen Lautspercher erhält man, wenn z.B. die eine Fläche starr und die andere beweglich ist.

Die Elektrostaten des 5080 sind so gebaut, dass die starre Fläche als Kupfer-Lochblech und die bewegliche Fläche als dünne, einseitig metallisierte Kunststofffolie ausgeführt sind.

Vorgehen zur Reparatur:
Benötigt wird: Lötkolben; Bohrer 2mm, 3mm, 5mm; Akkuschrauber; kleiner Schraubendreher; Wattestäbchen; Isopropanol oder Waschbenzin; Sanitärreiniger mit Entkalker; 8 Senkkopfschrauben M3; 8 Muttern M3
sauberer übersichtlicher Arbeitsplatz; ruhige Hand.

Nachdem die jeweils vier Holzschrauben gelöst sind, lassen sich die Hochtöner von der Schallwand abnehmen.
Danach öffnet sich der Blick auf die Vorderansicht des Elektrostaten. Man erkennt deutlich die starre Fläche, die hier in Form eines Lochblechs aus Kupfer ausgeführt ist.

Grundig Elektrostat vorneAnsicht des Elektrostaten von vorne.

Rechts unten im Bild befindet sich der Lötkontakt für den Masseanschluß. Er wird von der rechten Lötöse abgelötet.
Die linke Lötöse (rote Farbmarkierung) ist intern mit einem dünne Kupverstreifen verbunden. Hier wird nichts abgelötet. Auf dem Kupferlochblech ist eine Isolierfolie zu erklennen, die nicht beschädigt werden sollte.
Die gesamte Konstruktion wird mit zwei Kunststoffteilen zusammengehalten. Diese beiden Kunststoffteile werden über insgesamt 4 Kunststoffnieten mit dem Gehäuse zusammengehalten. Die verschmolzenen Nieten sind oben und unten erkennbar.

 

Nach dem Ausbau werden die vier Kunststoffnieten aufgebohrt. Alternativ können sie auch mit einem 3mm-Bohrer kpl. ausgebohrt werden.

Elektrostat; ausgebohrte NieteAnsischt des Elektrostaten, aufgebohrte Kunststoff-Nietung

Um die Elektrostaten öffnen zu können, müssen sie zerlegt werden. Hierzu werden die beiden Kunststoffteile vom Gehäuse getrennt. Dies geschieht durch Aufbohren oder Ausbohren der Kunststoffnieten. Im linken Bild ist die linke Niete mit einem 5mm Bohrer aufgebohrt worden.
Geht man diesen Weg, lassen sich die Nieten ggf. nach der Reparatur wieder verschmelzen.

Alternativ können sie aber auch kpl. ausgebohrt werden. In dem Fall werden sie später durch 3mm Senkkopfschrauben ersetzt.


Elektrostat , ausgebohrte Niete 1 klein.jpgAnsischt des Elektrostaten, ausgebohrte Kunststoff-Nietung.

Hier ist die Alternative zum Aufbohren zu erkennen. Die Nieten wurden von der Gehäuserückseite her ausgebohrt. Angesetzt habe ich in der kleinen Vertiefung und zunächst mit einem 2mm Bohrer vorgebohrt. Danach wurde die Niete kpl. mit einem 3mm ausgebohrt.
Zusätzlich habe ich sie danach von der Vorderseite mit dem 5mm Bohrer aufgebohrt, damit später die Senkkopschraube versenkt montiert werden kann.


Ich habe mich dazu entschlossen, die Nieten kpl. durch 3mm Schrauben zu ersetzen.

 

Da die Bilder im Wesentlichen mit einem anfänglich aufgebohrten Elektrostaten aufgenommen wurden, ist im Folgenden der Rest der Niete auf den Bildern zu sehen. Später habe ich sie dann kpl. ausgebohrt.
Das Aufbohren habe ich in zwei Schritten  durchgeführt: Zuerst eine Führungsbohrung mit einem 2mm-Bohrer, dann mit einem 5mm-Bohrer den Niet-Kopf weggebohrt.

 

Elektrostat , aufgebohrte Niete_4_kleinAnsischt des Elektrostaten, 2 aufgebohrte Kunststoff-Nietungen.

An der linken Nietung ist erkennbar, wie sich der Kunststoffhalter später lösen wird.

Beim Aufbohren können sich ringförmige Kunststoffteile vom "Nietkopf" lösen. Das ist normal und kein Problem.
Am rechten Niet ist das Ergebnis nach dem Aufbohren recht gut erkennbar.

 

Nachdem die Nieten aufgebohrt sind, werden die beiden Kunststoffhalter vorsichtig vom Gehäuse des Elektrostaten abgenommen. Ein wenig Hebeln ist erforderlich, wenn die Nieten nur aufgebohrt wurden.

Elektrostat , aufgebohrte Niete_5_kleinAnsischt des Elektrostaten, angehobener Kunststoff-Halter.

Nach dem Aufbohren bleibt ein kleiner Nietrand übrig. Daher löst sich der Kunststoffhalter nur mit leichter Gewalt vom Gehäuse. Zum Lösen habe ich einen kleinen Schraubendreher mit sehr flacher Klinge verwendet.
In Verlängerung zur Niete sind im Gehäuse kleine Spalten zu sehen. Sie verleiten dazu, dort den Schraubendreher zum Hochhebeln des Halters anzusetzen.
Bei dem hier gezeigten Halter ist es möglich so vorzugehen. Bei den Haltern auf der anderen Seite des Elektrostaten ist diese Vorgehensweise strikt zu vermeiden, um Schäden an weiteren Bauteilen innerhalb des Elektrostaten zu vermeiden.

Daher empfehle ich, grundsätzlich nicht die kleinen Spalten als Ansatzpunkt zum Hochhebeln des Kunststoffhalters zu verwenden.
 

Elektrostat , aufgebohrte Niete_5_NoGo_klein.jpgDie rot gekennzeichneten Stellen sind zum Hochhebeln der Kunststoffhalterung ungeeignet.

Auf diesem Bild ist zu erkennen, daß der Anschluß des Kupferlochblechs noch nicht an der Lötöse abgelötet wurde. Ein Ablöten ist gem. oben beschriebener Vorgehensweise vorteilhaft.











 

Nach oben beschriebenem Prinzip werden alle 4 Nieten aufgebohrt. Nun läßt sich der Elektrostat zerlegen.

Elektrostat Demontage-klein.jpgAbgenommenes Kunststoffteil.

Hier sind alle 4 Nieten aufgebohrt, das untgere Kunststoffteil entfernt sowie das obere gelockert, sodsaß es abgenommen werden kann.

Unter der rot markierten Lötöse befindet sich im Inneren ein dünner, schmaler Kupferstreifen, mit dem die innen liegende Folie kontaktiert wird. Auf diesen Streifen ist zu achten.
Außerdem sollte die Kunststofffolie unter der rot merkierten Lötöse nicht bechädigt werden, denn sie dient als Isolierung.





 

Nachdem die beiden Kunststoffteile abgebaut wurden, kann der Kondensatorhochtöner weiter zerlegt werden. Dazu wird das Kupferlochblech zusammen mit sämtlichen Innereien des Gehäuses komplett entnommen, beispielsweise durch vorsichtiges Anheben des Lochblechs oder indem man es "über Kopf" gewissermaßen ausschüttet. Nochmal der Hinweis: Auf den Kupferstreifen achten, denn er ist leicht zu beschädigen.

Grundig Elektrostat, Demontage.jpgVollständig geöffneter Elektrostat

Unten im Bild das Gehäuse mit einem völlig spröden Schaumstoffstreifen, der erneuert werden muss,

Darüber der eigetliche Hochtöner. Das weisse Material ist eine Art Fließ, der die Folie leicht gegen das Lochblech drückt. Auf diesem Bild ist die eigentliche Folie nicht zu sehen, da sie vollständig durch den Fließ verdeckt ist. Lediglich links oben ist sie ansatzweise zu erkennen. Gegenüber dem Schaumstoffstreifen ist der Abdruck dieses Streifens im Fließ erkennbar. Er drückt den dünnen Kupferstreifen gegen die metallisierte Fläche der Folie.


 

Nachdem die Innereien ausgebaut sind, kann der Kupferstreifen aus dem Schichtaufbau einfach herausgezogen werden.
Ich empfehle aber, vorher einen Blick auf den inneren Aufbau zu werfen, damit anschließend der Zusammanbau einfach erfolgen kann. Es ist möglich, dass es zwei Bau-Varianten gibt:
1) Der Kupferstreifen liegt direkt zwischen Folie und Fließ.
2) Der Kupferstreifen ist zwischen zwei Folien angeordnet (Gewissermaßen in einer Tasche).

Elektrostat, Demontage_02_klein.jpgElektrostat, Demontage_03_klein.jpgVorder- und Rückansicht des Inneren.

Auf beiden Bildern ist die Kupferfolie gut erkennbar.
Sie kann einfach aus den "geschichteten" Einzelteilen herausgezogen werden. Es empfiehlt sich aber, den Fließ vorher ein wenig anzuheben, um die genaue Position des Kupferstreifens festzustellen.
Ich bin der Meinung, daß  in einem Hochtöner der Kupferstreifen zwischen Folie und Fließ lag, in dem anderen Hochtöner aber eine zweite Folie vorhanden war, die zusätzlich zwischen Fließ und Kupferstreifen lag.
Die Folie ist umlaufend mit einer weiteren Isolierfolie versehen, damit es später zwischen Folienoberseite und Lochblech keine Kurzschüsse gibt.

 

Aufbau_01_kleinBlick zwischen Folie und Kupferlochblech

Unten, kaum erkennbar ist der Fließ. Der Ort, an dem der Kupferstreifen lag, ist deutlich sichtbar.






 

Ursache des Hochtönerausfalls ist vermutlich die  oxidierte Kontaktfeder. Auf einigen Seiten im Internet wird berichtet, dass eine Säuberung für Abhilfe sorgt. Daher habe ich den Ratschlag befolgt und zunächst den Zustand der  Oberfläche in Augenschein genommen. In der Tat sieht die Oberfläche nicht aus, wie "frisches" Kupfer.
Es wird auch berichtet, den Streifen mit Schleifpapier zu säubern. Dies erschien mir zu heftig für die Anwendung, zumal das Anschleifen die Oberfläche vergrößert und eine erneuten Oxidation damit beschleunigt wird.

Grundig Elektrostat Kontaktfeder.jpgAusgebaute Kontaktfeder des Kondensatorhochtöners.

Deutlich erkannbar ist die fleckige, oxidierte Oberfläche des Kupferstreifens.

Untern links ist eine Deformation erkennbar, die durch eine unsachgemäße Öffnung des Gehäuses hervorgerufen wurde. Ich hatte mit einem Schraubendreher in den o.a. kleinen Spalten der Lötösen die Kunststoffhalterung hochgehebelt. Dabei wurde der Kupferstreifen beschädigt.





 

Zur Säuberung habe ich einen Reiniger für Badewannen, Duschen usw. verwendet, der Kalkablagerungen, Seifenreste usw. entfernt, also säurehaltig ist. Nach meinen Recherchen ist es Amidosulfonsäure (auch Sulfaminsäure oder Sulfamidsäure genannt). Mit diesem Reiniger habe ich ein Wattestäbchen getränkt und den Kupferstreifen an allen Kontaktflächen ca. 5min lang abgerieben. Innerhalb dieser Zeit wird das Kupfer wieder blank.
Anschließend wird der Streifen gründlich gespült, um die Reinigerreste vollständig zu entfernen, und getrocknet.
Nach der Behandlung darf der Kupferstreifen nicht mehr mit den bloßen Fingern berührt werden, weil sonst erneut Säuren und Fette aufgetragen werden. (Kennt jeder, dass blankes Kupfer oder Messing, das man anfäßt, an den Berührungsstellen schnell wieder anläuft, was zu vorzeitiger Oxidation führt).

Kontaktfeder_02_klein.jpgAusgebaute und gereinigte Kontaktfeder des Kondensatorhochtöners

Es ist klar erkennbar, dass die Oxidation beseitigt ist und das Kupfer wieder glänzend hell ist.
Die Oxidschicht ist beseitigt.

Es muss auch nur die abgebildete Fläche gereingt werden.

Wichtig beim Reinigen: Nicht den Streifen knicken, oder sonstwie verbiegen. Die hier sichtbare Biegung muss erhalten bleiben.



Nach der Reinigung der Kupferstreifen ist es ratsam, auch die Lötösen zu reinigen, über die die Kupferstreifen angeschlossen werden. Auch hier habe ich mit dem Badreiniger gute Ergebnisse erzielt.

Lötöse_klein.jpgLötöse des "+"-Anschlusses eines Kondensatorhochtöners.

Sie ist beidseitig mit dem Badreiniger "entoxidiert" worden.
Auch hier ist eine gründliche Entfernung der Reiniger-Reste nötig.










 

Bevor es an den Zusammenbau des Hochtöners geht, muss der zerbröselte Schaumstoffstreifen im Gehäuse erneuert werden. Er drückt später den Kupferstreifen an die Kunstofffolie, sodass ein zuverlässiger Kontakt zu deren metallisierten Oberfläche gewährleistet ist.
Der zerbröselte Streifen wird incl. Klebereste vollständig entfernt und durch einen neuen Schaumstreifen ersetzt. Hier sollte ein Material gewählt werden, das dauerelastisch ist und nicht, wie der Schaumstoff, nach diversen Jahren versprödet.
Ich habe von der Fa.Tesa das "Tesa moll PVC-Dichtungsband" mit den Maßen 9mm Breite x 4mm "Dicke" gewählt. Es ist ein rechteckiges Profil.

 

Gehäuse_innen_klein.jpgDas Gehäuseinnere.

Der zerbröselte Schaumstoffstreifen muss ersetzt werden.

Es ist ratsam die Länge und Position des defekten Streifens für den neuen Streifen beizubehalten.

Er drückt später den Kupfertsreifen gegen die metallisierte Seite der Kunststofffolie.










 

Nun sind alle Einzelmaßnahmen beendet und der Elektrostat kann wieder zusammen gebaut werden.
Es wird der Kupferstreifen exakt so, wie er vor dem Zerlegen montiert war, auf der Kontaktfläche der  Kunststofffolie platziert.
Der Fließ wird ordentlich ausgerichtet.
Kupfer-Lochblech, Kunststofffolie und Fließ werden geschichtet und wieder ins Gehäuse des Hochtöners gelegt.
Hierbei ist die Kupferfolie über den Rest der aufgebohrten Niete zu führen oder, wenn die Niete ausgebohrt ist, mit der Bohrung im Gehäuse zu Übereinstimmung zu bringen.
Im Anschluß werden die Kunststoffhalter montiert und festgeschraubt / mit dem Rest der Niete verschmolzen.

Elektrostat_halbmontiert_klein.jpgTeilmontierter Elektrostat.

Alle Bestandteile sind im Gehäuse untergebracht. Die Kupferfolie befindet sich in ihrer Ursprungslage (Sie liegt nun direkt in Übereinstimmung mit dem Schaumstoffstreifen).

Rechts im Bild ist einer der Kunststoffhalter bereits montiert.

Hier, wie oben beschrieben, noch ohne ausgebohrte Nieten.

 

Die M3-Senkkopfschrauben werden von der  Kupferblechseite her bestückt, damit der Elektrostat später wieder flächig an der Schallwand anliegt. Die Muttern befinden sich auf der Rückseite des Gehäuses.
Der Anstand zwischen Mutter und Gehäuse des Hochtöners ist ggf. zu klein. Hier nicht die Mutter mit Gewalt anziehen, sondern an einer Seite abschleifen.

Senkkopfschraube_klein.jpgSenkkopfschraube zur Befestigung des Kunststoffhalters am Hochtönergehäuse.

Die Schraube nicht zu fest anziehen, damit  der Kunststoffhalter an der Bohrung nicht aufbricht.

Der linke Niet in diesem Bild muss noch ausgebohrt werden.









 

Zum Schluß ein weitere Bilder des zusammengesetzten Kondensatorhopchtöners. 

 

 

Elektrostat-Montage_klein.jpgIm linken Bild die aufgebohrte Niete.

Evtl. lose sitzende Kunststoffteile werden entfernt.

Für den Schraubenkopf wird eine Senkung vorgenommen.
Hierfür eignet sich notfalls ein 5mm Bohrer.

















 

Wenn alles montiert ist, wird der Masseanschluß wieder mit der Lötöse verbunden.

 

Elektrostat-Montage2_klein.jpgFertig zusammengeschraubter Hochtöner





















 

 

Elektrostat-Montage3_klein.jpgRückansicht des zusammengesetzten Hochtöners.

Alle Nieten wurden durch Schrauben ersetzt.
Da die Muttern sehr dicht ans Gehäuse heranreichen, müssen sie ggf. an einer Seite angeschliffen werden.

Keinesfalls sollten sie mit Gewalt / Kraft im Falle des Nichtzusammenpassens angezogen werden.










 

Elektrostat-Montage4_klein.jpgAnsicht von der Anschlußseite














 

Bevor die Hochtöner wieder in den guten 5080 eingebaut werden, empfiehlt sich eine Prüfung.
Dies erfolgt in 2 Schritten:
Zuerst wird mit einem Ohmmeter der Widerstand zwischen den beiden Anschlüssen gemessen. Er muss "unendlich" groß sein.
Wenn vorhanden, kann die Kapazität der Hochtöner gemessen werden. Sie sollte jeweils zwischen 600pF und 1nF liegen.

Wenn dies erfolgreich war, werden die Hochtöner testweise mit dem Radio verbunden und im Betrieb überprüft. Aus beiden sollten deutlich vernehmbar die Höhen zu hören sein.

Wenn auch dieser Test erfolgreich verlaufen ist, können die beiden Elektrostaten wieder ins Gehäuse eingebaut werden.

 

3. Magisches Auge  (magic eye tube / tuning indicator) EM34 / EM35  ( = 6CD7 ):

Im 5080 ist, wie in viel anderen Röhrenrdios auch, ein magisches Auge verbaut. Es ist die Röhre EM34, die im Regelfall kaum noch leuchtet, also verbraucht ist. Ursache ist nicht eine unzureichende Emission der Kathode, sondern die verbrauchte bzw. gealterte Leuchtschicht auf dem Leuchtschirm.

Grundig Chassis 5080 mit gedimmter EM34 (über Pulsweitenmodulator / Chopper)

Ausgebautes Chassis mit neuer, deutlich gedimmter  EM34

 

 

EM34_2_kleinAusgebaute EM34

In der Leuchtschicht sind deutlich die Abnutzungserscheinungen durch Alterung sichtbar.

Die hellen Bereiche waren im Betrieb abgeschattet, weshalb sie weniger verbraucht / gealtert sind und deshalb heller leuchten.

Grundsätzlich treten diese Abnutzungserscheinungen bei allen magischen Augen auf, also auch bei der EM4, EM11, EM35 usw.

Besonders schnell altern die "satt" grün leuchtenden magischen Augen.
Die eher blaugrün leuchtenden Röhren altern langsamer
(Beisp: EM84, EM800), da die Leuchtschicht dieser Röhren
chemisch anders zusammengesetzt ist.

Ein regenerieren der Leuchtschicht ist nicht möglich.

Es finden sich im Internet Schaltungsvorschläge, mit denen die Helligkeit einer verbrauchten Röhre gesteigert werden kann. Sie basieren auf einer Erhöhung der Anodenspannung.
Die Nachhaltigkeit darf bezweifelt werden. Zu beachten ist dabei: Die Steuerspannung der Röhre muss angepasst werden.


Abhilfe des schwachen Leuchtens ist nur möglich, indem die Röhre ersetzt wird. Hat man erst in den sauren Apfel gebissen und eine neuwertige EM34 eingesetzt, wünscht man sich, daß die neue Röhre langsamer altert. Es besteht die Möglichkeit, den Anodenstrom zu reduzieren, indem die Anodenspannung verringert wird. Die bedeutet allerdings, daß die Gitterspannung (abgeleitet aus der Regelspannung des Empfängers) ebenfalls angepasst werden muss.
Alternativ läßt sich die Anodenspannung takten. In diesem Fall muss die Steuerspannung nicht angepasst werden und die Röhre wird mit den "ursprünglichen" Parametern betrieben.

Basierend auf einem Artikel im Internet habe ich den Vorschlag aufgegriffen und eine einfache, Oszillatorschaltung entwickelt, die sicher anschwingt. Hiermit takte ich nun die Anodenspannung der EM34, sie erhält eine pulsweitenmodulierte Anodenspannung.

Schaltung zur Reduzierung der Alterung des magischen Auges
(circuit for reduction of the magic eyes aging):
Die Schaltung  wird in Reihe mit der Spannungsversorgung der Anode geschaltet und mit der Gerätemasse verbunden. Sie wird somit über 3 Anschlüsse ins Radio integriert.
Nachteilig ist, daß der Zerhacker (Chopper) Oberwellen erzeugt, die den AM-Empfang beeinträchtigen können. Dieses Problem läßt sich aber weitestgehend beseitigen.

 

Magisches Auge Pulsweitenmodulator PWM Prinzipschaltbild
Schematische Darstellung der Änderung im Radiogerät.

Der Pulsweitenmodulator wird zwischen Anodenspannungsquelle (hier als Elko gezeichnet) und
Anode(n) des magischen Auges geschaltet.

Er hat 3 Anschlüsse:
(in / out / Gnd).

Gefahr!!
Die Anodenspannnung der EM34 beträgt im Grundig 5080 ca. 260V DC
.
Die Höhe der Spannung ist lebensgefährlich!

Es wäre auch denkbar, nur die Spannung des Leuchtschirms zu takten. Der Einfachheit halber (Kabelführung im Gerät und Umbauaufwand) habe ich alle Anodenspannungen (Beide Trioden und Leuchtschrim) der EM34 getaktet.



 

Die Störungen beim Takten der Anodenspannung entstehen in den Schaltflanken. Je steiler die Flanken sind, desto ausgeprägter ist das Oberwellenspektrum. Daher werden die Schaltflanken durch ein geeignetes RC-Glied abgeflacht.
Im 5080 hat diese Maßnahme, zusammen mit einem geschirmten Kabel für die Anodenspannungszuführung, eine praktisch vollständige Entstörung gebracht.

Ziel war es, den Eingriff ins Radio möglichst gering zu halten. Daher habe ich den etwas größeren Aufwand für den Bau eines Pulsweitenmodulators in Kauf genommen. Weiteres Ziel war es, den Leistungsbedarf des Modulators möglichst gering zu halten, weil eine zusätzliche Spannungsversorgung unverhältnismäßiger Aufwand gewesen wäre. Somit sollte sich die Schaltung vollständig aus der Anodenspannung der EM34 selbst versorgen. Wenn dies über einen Vorwiderstand erfolgt, weil es die einfachste Lösung ist, sollte der Vorwiderstand so wenig Leistung wie möglich in Wärme umsetzen.
Somit war es naheliegend, den Oszillator mit der C-MOS Version des Timer IC 555 aufzubauen.
Der C-MOS Timer läuft unter der Bezeichnung TLC555; LMC555; TS555; ICM7555 .
Die (Ruhe) Stromaufnahme des Timers liegt bei einer Versorgungsspannung von 6V unter 200µA.

 

Die Schaltung des Pulsweitenmodulators besteht aus drei Elementen:
1) Spannungsversorgung.
2) Rechteck-Oszillator mit einstellbarem Tastverhältnis.
3) Schaltstufe mit Entstörung.

 

Pulsweitenmodulator Schaltung / SchaltplanDie Schaltung des Pulsweitenmodulators.

Taktfrequenz: ca: 108Hz
Versorgungsspannung : 6,2V
Stromaufnahme: ca. 250µA
Minimales/maximalesTastverhältnis: 12:1

Für meine neue EM34 habe ich das Tastverhältnis auf 0,7ms on 
und 8,5ms off eingestellt. Dabei leuchtet die Röhre ausreichend hell.

 

Nochmals Vorsicht Hochspannung! Lebensgefahr! Die Schaltung liegt auf Anodenspannungspotential. Berührungen mit der Spannung können tödlich enden.
Die hier vorgestellte Maßnahme stellt meine Erfahrungen dar und ist keine Nachbauanleitung..


Zur Schaltung:
Die gesamte Schaltung ist auf die Anodenspannung bezogen, liegt also Anodenspannungspotential.  Die für den Timer erforderliche Versorgungsspannung wird über den Widerstand R1 und die Z-Diode D1 erzeugt. Gepuffert wird die so erzeugte Spannung von 6,2V über den Elko C1.

Der Oszillator ist eine "Standardschaltung". Mit demTrimmer R3 wird das Tastverhältnis der Rechteckspannung eingestellt.
Um Dauer-Aus oder Dauer-Ein an den Anschlagpositionen von R3 zu vermeiden, wird R2 eingefügt.
R4 ist im Grund genommen überflüssig. Ich habe ihn eingefügt, um die Taktfrequenz auf ca. 100Hz zu trimmen.

Das Oszillator-Signal wird über R5 auf die Basis des Transistors geführt, der die Anodenspannung der EM34 ein- und ausschaltet. Hier ist ein Transistor zu wählen, der mindestens die Leerlaufspannung des Netzteils des Radios verträgt.
Der hier gewählte BF421 verträgt 300V, was für den Grundig 5080 extrem grenzwertig ist. Ein Transistor, der 400V oder mehr sperren kann, ist grundsätzlich besser geeignet. Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, daß hier ein PNP-Transistor zum Einsatz kommt.

Die Entstörung erfolgt mittels R7 und C3. Dieser einfache Tiefpass im Zusammenwirken mit einem geschirmten Kabel dämpft die erzeugten Oberwellen hinreichend. Als geschirmtes Kabel habe ich ca. 15cm RG174 verwendet. Der Schirm wird einseitig an der Schaltstufe aufgelegt.
Den Original-Draht habe ich beidseitig (an der Röhre und dem Lötstützpunkt im Radio) "hochgelötet" und im Gerät gelassen. So ist ein Rückbau problemlos möglich.

 

In der Praxis (kurze Erprobungsphase) hat sich die Schaltung bewährt. Interessanter Weise ist die Helligkeit der EM34 trotz des stark reduzierten Stromflusses hinreichend hell, wie auch auf dem oben eingefügten Bild des Chassis zu sehen ist.
Möglicherweise ist dies darauf zurückzuführen, das die Leuchtschicht für eine gewisse Zeit nachleuchtet.
Mit etwas Glück ist somit die Lebensdauer der EM34 verdreizehnfacht, weil der Anodenstrom nur noch zu 7,6% der ursprünglichen Zeit fließt.

 

Em34 EM71 EM80 Pulsweitenmodulator (PWM) Oszillogramm der AnodenspannungOszillogramm der Anodenspannung der EM34. Deutlich erkannbar ist, dass die Spannung für ca. 0,7ms angeschaltet und für ca. 8,5ms abgeschaltet ist.

Die Ablenkkoeffizienten sind:
X: 2ms/Div
Y: 100V/Div













 

Natürlich läßt sich diese Methode auf alle magischen Augen / Abstimmanzeigeröhren anwenden, insbesondere auf diejenigen, deren Leuchtschicht aus Willemit besteht. Somit kämen u.a. in Betracht:
EM34 / UM34;   EM35 / UM34;   EM4 / UM4;   EM11 / UM11;   EM80 / UM80;   EM81 / UM81;   EM85 / UM85;  EM71.


Pulsweitenmodulator PWM Einbau im Grundig 5080Nebenstehendes Bild zeigt den Einbau der Zusatzplatine in das Radio.

Die kleine Lochrasterplatine habe ich mit einem Aluwinkel (Ansatzweise zwischen Gehäuse und Zusatzplatine sichtbar) am 5080-Chassis befestigt. Hierzu habe ich eine nicht genutzte Bohrung am Chassis verwendet.

Der Timer ist eine SMD-Version (SO8), die ich mit einer Adapterplatine auf die bedrahtete Größe (DIL8) angepasst habe.


Die Aodenspanung des Radios wird über den grünen Draht zur PWM-Platine geleitet. Er ist an Stelle des originalen roten Drahtes an dem entsprechenden Lötstützpunkt im Radio angeschlossen. Der ursprüngliche Draht (rot) ist abgelötet und verbleibt im Gerät. Er ist links sichtbar.

Der schwarze Draht führt die Masse zu und ist am Antennenanschluß angelötet.

Die getaktete Spannung führt in diesem Bild über einen "frei fliegenden" 12k-Widerstand zum Innenleiter des geschirmten Kabels und an einen keramischen 470pF-Kondensator.
Deutlich erkannbar auch der Schirm.
Dieses Kabel wird zur EM34 geführt. Auch an der EM34 wird der rote Draht abgelötet und sicher bei Seite geführt.










Die Schaltung läßt sich natürlich in jedes andere Radio auch einbauen.
Ggf. ist eine Änderung von R7 (12K) erforderlich, weil der Spannungsabfall an dem Widerstand zu groß ist und das Auge bei den stärksten Sendern nicht mehr vollständig schließt.  Ein Wert von 5,6k sollte aber nicht unterschritten werden, um den Schalttransistor nicht zu überlasten.

Ferner ist die Schaltung, und hier insbesondere die geschaltete Leitung, von NF-Leitungen fern zu halten und unbedingt geschirmt auszuführen.
Selbst bei größeren Abständen im Bereich von einigen cm treten kapazitive Übersprecheffekte auf und dann brummt und knattert es im Lautsprecher.

Bei einem SABA Freiburg 7 Automatic waren umfangreiche Abschirmmaßnahmen erforderlich.



4. Das Philips Capella Reverbeo B7X43A

 

Reverbeo defekte EL-FolieZu den eher ungewöhnlichen Radios zählt das Philips-Gerät
"Capella Reverbeo", hier insbesondere das Modell B7X43A.

Es ist ein Röhrenradio mit integriertem FM Stereo-Dekoder, das Anfang der 60-er Jahre gefertigt wurde.
Ein weiteres Modell ist das B7X14A, das ebenfalls stereo-tauglich ist, jedoch den FM-Stereo-Dekoder nicht beinhaltet. Es ist somit nur das Abspielen von Tonaufzeichnungen (Platte, Tonband) in Stereo möglich. Der Radio-Empfang ist monaural.


Während andere Hersteller zu dieser Zeit standardmäßig Selengleichrichter im Netzteil verwendet hatten, setzte Philips in diesem Gerät noch auf Röhren und verwendete die EZ81 als Gleichrichter für die Anodenspannung.
Obwohl Philips im Netzteil eine Röhre eingesetzt hatte, werden im Reverbeo B7X43A dennoch Transistoren eingesetzt.
Sie finden sich im Stereo-Dekoder und dem Treiber für die Stereo-Leuchte.

Ich ließ mir das Radio mit einem der verbreiteten Paketdienste schicken und bekam trotz umfangreicher Polsterung innerhalb des Kartons ein fast vollständig zerstörtes Gerät geliefert. Ursache muss ein Sturz aus großer Höhe gewesen sein.
Die Transportschäden ließen sich mühselig reparieren.
Daher rate ich an dieser Stelle Röhren-Radios nicht zu verschicken, sondern selbst abzuholen.

Philips Capella Reverbeo B7X43A Frontansicht, Ansicht von vornePhilips Capella Reverbeo von vorne (ausgeschaltet)

Diese Variante hat ein mattes, geöltes und helles Holzgehäuse.

Das Gerät beinhaltet 2 Breitband-Lautsprecher für die Stereo-Wiedergabe mit jeweils 800 Ohm.

Die Lautsprecher sind winklig (ca. 20°) angeordnet, so dass sie nicht direkt zur Seite strahlen, sondern ebenfalls leicht nach vorne.

Bemerkenswert ist weiterhin, dass sowohl das gesamte Chassis des Radios, als auch die integrierte Halleinheit für Transportzwecke fixiert werden können. Dies scheint allgemein unbekannt zu sein und führt daher durch Nichtbeachtung beim Versand zu Transportschäden.

Die Halleinheit ist mit vier Federn lose befestigt und das Chassis lagert auf Gummi-Puffern, aus denen es herausrutschen kann. Das Chassis kann mit 4 Schrauben fixiert werden und die Hall-Einheit mit 2 Stiften. Bei mir funktionieren Zahnstocher recht gut.

Zu den Besonderheiten dieses Radio-Empfängers gehören:

  • Beleuchtung der Skala. Sie erfolgt durch eine "Lumineszenz-Skala" (auch Elektrolumineszenz-Folie, Plasmafolie, EL-Folie, Leuchtfolie...), die hinter der Skalenscheibe angebracht ist. Sie wird direkt vom Netz-Trafo aus der Wicklung für die Anodenspannung betrieben.

  • Halleinheit. Durch eine integrierte Hallfeder kann ein einstellbarer Nachhall zugeschaltet werden. Während dieser Funktion wird der Stereo-Betrieb unterbrochen.

  • Stereo-Dekoder für UKW-Rundfunk.

  • Die internen Lautsprecher haben eine Impedanz von 800 Ohm. Die extern zuschaltbaren Lautsprecher müssen ebenfalls 800 Ohm aufweisen.

  • Die Entnahme des Chassis erfolgt nach vorne. Hierbei ist die interne Verdrahtung zu beachten. Insbesondere die Lautsprecher und eine Masseverbindung müssen vor der Entnahme gelöst werden. Und die 4 Befestigungsschrauben, mit denen das Chassis am Gehäuse gehalten wird, müssen abgeschraubt werden.

Ansonsten weist das Gerät wenig weitere "Spielereien" auf.

 

Reparaturhinweise:
Im Netz finden sich umfängliche Informationen zu diesem Gerät, so dass ich mich hier auf die Dinge beschränke, die ich darüber hinausgehend als erwähnenswert ansehe.

1. Chassisausbau / Gerätetransport:
Vor dem Ausbau des Chassis oder dem Transport des Radios sollte die Halleinheit fixiert werden. Dies ist sehr einfach mit 2 Zahnstochern möglich.
Chassisausbau:
Die vordere Holzleiste vor dem Tastenaggregat ist abzuschrauben (4 Holzschrauben von unten).
Die beiden Lautsprecher und eine Masseleitung müssen abgelötet werden. Da Philips die Anschlußdrähte durch die Lötösen der Lautsprecheranschlüsse gewickelt hat, ist das Ablöten sehr mühselig.
Die 4 Schrauben, die das Chassis am Gehäuse halten, sind zu entfernen.

Philips Capella Reverbeo B7X43A HallfederfixierungLinksseitige Fixierung der  Halleinheit.

In der Halterung befinden sich zwei Bohrungen, durch die gut ein Zahnstocher geführt werden kann.

Die drehbar angenietete Schelle befindet sich an der Halleinheit und klemmt den Zahnstocher fest
.
Hiermit ist die Halleinheit festgestellt und kann bei Transporten oder Arbeiten am Radio nicht aus den vier Aufhängefedern herausreißen.

Eine lose im Gerät liegende Halleinheit kann einerseits große Schäden anrichten, andererseits reißen die extrem dünnen Anschlußdrähte (schwarz und grün) leicht ab.

Das Chassis muss mit viel Gefühl nach vorne herausgeschoben werden, denn es verhakt sich leicht an den Lautsprechermagneten und der unteren Halterung.
Nachdem das Chassis ausgebaut wurde, kann mit der Reinigung des Gerätes sowie mit der Suche nach defekten Bauteilen begonnen werden.

2. Magischer Fächer (EM80):
Am magischen Fächer treten zwei Fehler auf:
1) Die Röhre ist verbraucht und die Leuchtschicht leuchtet nicht mehr hell.
In diesem Fall muss die Röhre ersetzt werden. Hier bietet sich eine originale EM80 an oder eine russische sehr ähnliche Röhre, die 6E1P. Sie ist zwar etwas größer, passt aber dennoch in den meisten Fällen als Ersatz für die EM80.
2.) Ein weiterer Grund für ein ausgefallenes magisches Auge ist Widerstand R6, der "Außenwiderstand" Ra der Anode.
Er wird hochohmig und muss ersetzt werden.

Reverbeo EM80 defekter Widerstand an AnodeAnodenwiderstand R6 an der EM80.

Bei Nichtfunktionieren des magischen Fächers ist er ggf. hochohmig.
Der Originalwert gem. Schaltplan beträgt 470kΩ.

Ein Standardwiderstand mit einer Belastbarkeit von 0,6W ist als Ersatz gut geeignet.

Bei herausgenommenem Chassis ist er gut erreichbar.






Reverbeo EM80 Widerstand
EM80 und hochohmiger Außenwiderstand

Der Widerstand ist äußerlich nicht erkennbar geschädigt.
Der Spannungsabfall kann durchaus 150V betragen, was ihn möglicherweise dauserhaft geschädigt hat.

Die Röhre ist weitestgehend verbraucht.


3. Abstimmspannung
Der magische Fächer hat sich auch bei sehr starken UKW-Sendern nicht vollständig geschlossen. Eine exakte Ursache dafür war nicht erkennbar. Daher habe ich den Spannungsteiler am Ratio-Detektor, der die Abstimmspannung für die EM80 herunterteilt, etwas angepasst.
R19 habe ich einfach weitere 2k2 in Reihe geschaltet.
Reverbeo Abstimmspannung am RatiodetektorSchaltung des Ratio-Detektors.

R19 sind habe ich so verändert, dass sich der magische Fächer bei starken Sendern schließt.
Da R18 ohnehin seinen Wert auf 8k9 verändert hatte, habe ich ihn gewechselt und einen Widerstand mit dem Sollwert von 8k2 eingesetzt.

Bei starken Sendern sind an C49 ca. -31V zu messen.







4. Stereodekoder
Im Reverbeo B7X43A wird ein transistorisierter Stereodekoder eingesetzt. Er ist in Form eines Moduls ans Chassis geschraubt und wird über einen Steckverbinder mit dem Rest des Gerätes verbunden.
Der Ausbau ist relativ simpel: Der Steckverbinder wird gelöst und die Schlitzschraube am Schirmgehäuse wird entfernt. Dann wird die Platine aus dem Gehäuse herausgezogen. Der geschraubte und verlötete Haltewinkel wird dabei nicht gelöst!
In meinem Gerät hatte ich festgestellt, dass die Stereo-Anzeige sehr träge und erst nach einer gewissen Warmlaufzeit reagiert. Die Untersuchung ergab, dass sämtliche 19- und 38kHz-Kreise bestens abgestimmt waren. Auch die elkos waren einwandfrei. Mittels Kältespray konnte ich dann TS2 (AF126) als Fehlerquelle (Stromverstärkung zu gering) identifizieren.
Auf Grund der Beschaltung habe ich ihn durch einen BC 560 ersetzt. Seitdem funktioniert der Stereodekoder einwandfrei.
Philips Capella Reverbeo B7X43A Stereodekoder
Rückwärtige Ansicht.
Vor Entnahme des Stereo-Dekoders muss die Halleinheit ausgebaut werden, die in diesem Bild noch mit 2 Zahnstochern fixiert ist.
Oberhalb des Stereodekoders befindet sich die Schaltstufe für die Stereo-Lampe.


Reverbeo Schaltung klein
Schaltung des Stereo-Dekoders

Der gewechselte Transistor ist markiert.
Weil mit dem neuen Transistor der Signalpegel für die Schaltstufe der Stereo-Lampe zu groß geworden ist, habe ich einen 1k-Widerstand in die Signalleitung zwischen 38kHz-Filter und Schaltstufe eingefügt.





5. Lautsprecher
Die Lautsprecher sind eine Besonderheit, weil sie einen Widerstand von ca. 800Ω haben. Dies ist umso verwunderlicher, als dass Philips in der Endstufe die EL84 eingesetzt und mit einem Ausgangsübergtrager gearbeitet hat.
In meinem Gerät sind beide Lautsprecher beschädigt. Einer hat einen Windungsschluß, so dass er nur noch ca. 30Ω hat, der andere ist verzogen und er katzt teilweise.
Ersatz ist nur über Gebrauchtmärkte zu beschaffen und selten verfügbar.

AD3800AM kleinAD3800AM klein 2
Ad3800AM Schnitt

Breitbandlautsprecher AD3800AM:
Der Befestigungslochdurchmesser beträgt 19,5cm,
der Durchmesser 20,5cm
und die Höhe 8,7cm.

Um den defekten Lautsprecher zu ersetzen, habe ich mir einen anderen passenden Lautsprecher gesucht, der aus früheren Tagen im Keller gelagert war. Er ist mechanisch baugleich, hat aber einen Widerstand von 5Ω. Er kann somit nicht direkt am Ausgangstrafo betrieben werden, weil die Endröhre (EL84) einen falschen Arbeitswiderstand sehen würde. Also muss er mit einem Audiotrafo angepasst werden. Hier hat sich ein Trafo aus der "100V-Technik" von Beschallungsanlagen (ELA-Technik) angeboten.
Weil diese Teile nicht immer das Übersetzungsverhältnis angegeben haben, muss es aus den Daten ermittelt werden.
Aus der Leistungsangabe und der Systemspannung von 100V, sowie der Impedanz der Sekundärwicklung läßt sich die Impedanz der Primärwicklung sowie das Übersetzungsverhältnis berechnen.

ELA Trafo_klein
Schaltbild des verwendeten ELA-Trafos "T30".
Dieser Trafo ist in diversen Läden verfügbar und läßt sich gut in das Radio implementieren.
Die Anschlußdrähte sind farbig gekennzeichnet, wie in nebenstehendem Bild illustriert.

Die Impedanz der linken Seite (Primärseite mit den Windungszahlen n1)  ergibt sich aus der Systemspannung 100V und der Leistungsangabe des Herstellers für den jeweiligen Zapf.

Beispiel:
Welche Impedanz hat die "15W-Wicklung"?
Aus der simplen Formel
P=U2/R ergibt sich mit R=U2/P für die "15W"-Wicklung:
R = (100V)2/15W = 10000/15 [V2/VA] =666,7Ω
Dieser Wert stellt sich am "15W"-Anschluß, also dem gelben Draht ein, wenn die rechte Seite entsprechend der Angaben (4 / 8 / 16 Ω) abgeschlossen wird, also beispielsweise ein 4Ω-Lautsprecher an den 4Ω-Anschluß angeschlossen wird.

In unten aufgeführter Tabelle sind die Übersetzungsverhältnisse des T30 aufgeführt. Je nach benötigten Widerständen kann der richtige Anschluß ausgewählt werden.

Übersetzungsverhältnis-Tabelle des ELA-Trafos T30
  Sek. Widerstand
Prim. Widerstand 16 8 4
2666 12,91 18,255 25,82
1333 9,127 12,91 18,255
667 6,456 9,131 12,91
444 5,268 7,45 10,54
333 4,562 6,452 9,124
Übersetzungsverhältnisse des Übertragers:

Es sind die gemäß Datenblatt errechneten Werte. Die realen Werte können abweichen. Bei der Ermittlung des "transformierten" Widerstandes ist zu berücksichtigen, dass mit ü
2 gerechnet werden muss.
Wenn beispielsweise nur ein 5Ω Lautsprecher zur Verfügung steht,
wird sein Wert nach obiger Beispielrechnung (4 Ω und 15W-Anschluß) so transformiert:
5Ω * 12,912 = 833Ω
Diese Kombination habe ich für die Adaption des Ersatzlautsprechers gewählt, der 5Ω Impadanz hat.

Die Tabelle läßt sich auch grafisch darstellen: Die u.a. Grafik zeigt das Übersetzungsverhältnis des Trafos in Abhängigkeit des Primärwiderstandes an. Parameter ist der Ausgangswiderstand.

T30 Übersetzungsverhältnis
Aus der Grafik ist gut ablesbar, welche Übersetzungsverhältnisse sich einstellen.

Reverbeo-ELA-Trafo T30 Gehäuse1Reverbeo-ELA-Trafo T30 Gehäuse

6. Skalenbeleuchtung
Im Reverbeo B7X43A wírd eine Elektro-Lumineszens-Scheibe als Skalenbeleuchtung verwendet. Sie befindet sich hinter der Skalenscheibe und den Skalenzeigern in Form einer doppelten Glasplatte. Zwischen den Glasplatten befindet sich das Leuchtmaterial sowie die Kontaktierung. Diese "Leucht-Scheibe" erzeugt eine sehr homogene grüne Hintergrundbeleuchtung ohne irgendwelche hellen oder dunklen Flächen. Lumineszensfolien unterliegen im Betrieb dem Verschleiß und im Falle des Radios auch der zeitlichen Alterung. In den meisten Fällen ist die Leuchtfolie nicht mehr funktionsfähig oder sie ist nur noch schwach leuchtend.
1:1 Ersatz ist nicht mehr zu bekommen. Daher gibt es im Netz diverse Vorschläge zur Wiederherstellung der Hintergrundbeleuchtung.

Reverbeo EL-Folie_vorne_kleinReverbeo EL-Folie_hinten_klein
Skalenbeleuchtung von beiden Seiten.
Die zwischen den Glasplatten liegenden Kontaktflächen und das Leuchtmaterial sind völlig oxidiert.

Vorgeschlagen wird:
- auf Glühlampen umzusteigen. Damit ist die Homogenität und evtl. die Farbe nicht mehr gegeben.
- eine EL-Folie mit passendem Inverter zu verwenden, ggf. mit Zuschnitt auf das passende Maß. Der Inverter stört den
  AM-Empfang
- eine EL-Folie zuzuschneiden und direkt am Trafo zu verwenden, so wie es von Philips geschaltet ist.
- eine Platte durchgängig mit LEDs zu versehen und als leuchtende Fläche hinter das Glas zu bauen. Die Platte ist schwer zu beschaffen. Streuscheiben sind erforderlich.
Ich habe mir eine andere Lösung überlegt:
Die originale Glasscheibe wird durch eine neue Scheibe in einer Stärke von 4...5mm (z.B. Glas) ersetzt.
Dann wird seitlich LED-Licht eingeleitet. Da die Scheibe ein Licheitleiter ist, wird kein Licht aus der Fläche des Glases austreten (Totalreflexion beim Übergang des Lichtes von Glas in Luft). Also muss der Übergang beseitigt werden.
Dies wird mit einer glänzenden hochweissen Lackierung sichergestellt, die einseitig aufgebracht wird.
Die Glasscheibe sollte zudem glatte Kanten, die nicht milchig sind, aufweisen und vor der Lackierung an den Rändern abgeklebt werden.

Reverbeo Leuchtscheibe_kleinSkizze der Leuchtscheibe:

Die weiß lackierte Fläche ist später die Rückseite der Leuchtscheibe.
Die Ränder sind erforderlich, damit das Licht sich innerhalb des Glases ausbreiten kann, ohne dass es zu hellen Leuchtpunkten an der Eintrittsfläche führt. Die Lackschicht sollte so stark sein, dass kein Licht hindurch scheint. Sonst muss z.B. eine Alufolie aufgebracht und damit die "Innenbeleuchtung" des Radios verhindert werden.

Nach gründlicher Trocknung des Lacks kann die Beleuchtung angebracht werden. Als Beleuchtungselemente habe ich grüne hocheffiziente SMD-LEDs verwendet. Am Jahresende 2018 waren es LEDs der Bauform 5730, die ich aus China über ebay bezogen habe. Es gibt diverse Hersteller für diese Bauform.
Die LEDs haben einen Abstrahlwinkel von 120°, eine Breite von 3mm und eine Stärke von nur 0,9mm.

Reverbeo LED gruenReverbeo LED gruen_2
Bilder der gewählten Beleuchtungs-LED.
Die Verarbeitung ist schwierig, weil die LED sehr dünn ist und die Kontaktflächen auf der Rückseite liegen.
Es existieren ähnliche Bauformen mit veränderten Kontaktieurungen.

Um zu einer gleichmäßigen Ausleuchtung der Glasscheibe zu kommen, müssen die LEDs an den "langen" Seiten der Scheibe angebracht werden.
Ich habe sie dazu auf eine schmale Standard-Lochrasterplatine gelötet. Nachdem ich fertig war, zeigte sich, dass die Platine an den Enden viel zu dick war, denn die fertige Konstruktion passte nicht mehr in die Halterungen für die Scheibe. Dazu später mehr.

reverbeo_5730 Abmessungen_kleinAbmessungen der grünen SMD-LED der Bauform 5730

Es gibt diverse Hersteller von LEDs dieser Bauform.
Leider gibt es auch leicht abweichende footprints. Daher ist die nebenstehende Abbildung nur beispielhaft zu betrachten.
Die LEDs, die ich verwendet habe, haben die abgebildeten Abmessungen
und Lötflächen.
Wenn sie von oben auf eine Lochrasterplatine gelötet werden, ist eine ruhige Hand sowie ein scharfer Blick erforderlich.


 

Quelle:
Octa Light  Plc

Um die gesamte Breite der Scheibe auszuleuchten, sind je Seite 22 LEDs erforderlich. Sie werden einfach alle in Reihe geschaltet.

Reverbeo Leuchtscheibe_kleinDie fertige LED-Leiste. Hier sind 22 LEDs in Reihe geschaltet.
Sie sind alle von oben auf einer Lochrasterplatine befestigt und mit sehr dünnem Draht, den ich aus einer Litze entnommen habe, verbunden.
Die Breite der Lochrasterplatine sollte nicht größer sein, als die Stärke der Scheibe, weil sie auch in die Scheibenhalterung hineinreicht.
Die Bestückung erfolgt so:
LED über 3 Lötpunkte legen, 1 Lötpunkt frei, LED über 3 Lötpunkte, ... . Die LEDs müssen gleichmäßig angeordnet sein und bündig auf der Platine aufliegen.

Wenn  nur eine LED-Leiste verwendet wird, ist die Ausleuchtung der Scheibe für die Hintergrundbeleuchtung leider nicht ausreichend. Dies mag mehrere Gründe haben, einer davon wird sein, dass die LEDs den o.a. Abstrahlwinkel von 120° haben. Für die Ausleuchtung in der Tiefe eher hinderlich, für die Ausleuchtung in der Breite eher positiv.


Reverbeo Skalenbeleuchtung einseitigLeuchtbild der Skalenbeleuchtung bei einseitiger Lichteinstrahlung.

Der obere Teil der Fläche und die Ecken sind schlecht ausgeleuchtet.
Hier ist die LED-Leisten noch nicht endgültig am Glas befestigt.


Die fertigen LED-Leisten müssen, wie bereits oben erwähnt, an allen Enden abgeflacht werden, damit die Glasscheibe zusammen mit der Beleuchtung in die beiden Kunststoffhalter passt.

Reverbeo LED Leiste_Ende
Abgeflachtes Ende der LED-Leiste. Alle Enden müssen entsprechend abgeflacht werden, denn die Scheibe muss ohne Druck in die Halterung passen.


Reverbeo LED Leiste_Ende_2


Wenn sämtliche Vorarbeiten durchgeführt sind, werden beide LED-Leisten mit einer dünnen, gut isolierenden Leitung miteinander verbunden, sowie mit den Versorgungsdrähten (ebenfalls dünn und gut isolierend) versehen. Dann ist das Ganze zum Einbau ins Gerät vorbereitet.
Selbstverständlich wurden vorher Tests durchgeführt, ob die Leisten leuchten. Da sie mit Gleichspannung versorgt werden müssen, ist auf die korrekte Polung der LEDs auf den Leisten zu achten und auf die korrekte Zusammenschaltung der beiden Leisten zueinander. Wenn alles richtig gemacht wurde, sind nun 44 LEDs richtig gepolt in Reihe geschaltet.
Die Versorgungspannung liegt bei ca. 44x3V = 130V. Ich habe ca. 116V gemessen (auch abhängig vom Betriebsstrom).
Zur Beachtung: Auch diese LEDs werden mit einem eingeprägten Strom betrieben und nicht mit einer Spannung!
Die Stromversorgung beschreibe ich weiter unten.
Für den Test läßt sich die Spannung gut aus dem Radio entnehmen:
Die bisherige Versorgung der EL-Beleuchtung ist vorhanden. Hier eine 1N4007 anschließen zur Einweggleichrichtung und einen 200k-Widerstand in Reihe schalten. Das Ganze richtig gepolt an die LED-Leiste anschließen. Der Strom beträgt dann ca. 1mApk und die LEDs leuchten mit 50Hz flimmernd.

Reverbeo Skalenbeleuchtung_Test
Testschaltung für 2 LED-Streifen a' 22 LEDs.
Die verwendeten LEDs leuchten bereits bei 2mA extrem hell.


Reverbeo Leuchtscheibe_klein_2Ansicht der Leuchtscheibe

Die untere LED-Leiste ist angebracht und mit Klebeband fixiert. Das Klebeband darf nicht zu weit über die Glasfläche ragen, weil es sonst sichtbar wird. Außerdem verändert die Klebefläche, ähnlich wie der Lack, das Reflexionsverhalten der Glasoberfläche.
Es ist angebracht, später beide LED-Streifen zusätzlich mit einer dünnen Angelsehne in der Mitte der Scheibe zu fixieren.

Reverbeo Leuchtscheibe_klein_3
Detailsansicht der Leuchtscheibe

Herausgestellt: Fixierung mit Klebeband.
Ebenfalls gut erkennbar ist die abgeflachte LED-Leiste.

das Klebeband muss eine extrem gute Haftung und Haltbarkeit aufweisen, damit es sich nicht nach wenigen Tagen wieder löst.

Nachdem die erste LED-Leiste fixiert ist, wird die zweite LED-Leiste angebracht.

Reverbeo Leuchtscheibe_klein_4 
Ansicht der Leuchtscheibe

Hier sind beide LED-Streifen fixiert.
Rechts ist die Verbindung zwischen den beiden LED-Streifen,
links sind die Anschlußdrähte für die Versorgung.
In dieser Lage wird die Scheibe später ins Radio eingesetzt.
Links die Versorgung, rechts die Verbindungsleitung.
Die Lackschicht befindet sich auf der Unterseite des Glases.

Reverbeo Leuchtscheibe Beleuchtung zweiseitig
Ansicht der Leuchtscheibe mit zwei LED-Reihen.

Die Ausleuchtung ist sehr viel gleichmäßiger, als mit einer Reihe. Der mittig etwas dunkler erscheinende Bereich fällt im späteren Betrieb nicht erkennbar auf.

Sehr gut sichtbar ist der Bereich, der nicht lackiert ist. Er leuchtet überhaupt nicht.

Dies ist ein Laboraufbau.

Nachdem Die Leuchtscheibe fertig gestellt ist, kann sie ggf. zusammen mit dem Halter ins Gerät eingebaut werden.
Bevor dies aber endgültig passiert, muss geklärt sein, wie die Versorgung der Hintergrundbeleuchtung erfolgen und wo das Netzteil hierfür angebracht werden soll.

Ich habe zur Versorgung die bestehende Trafowicklung benutzt und mittels einer kleinen Zusatzplatine den Kondensator und Widerstand fixiert.
Das Netzteil für die Hintergrundbeleuchtung sieht gem. u.a. Schaltbild aus:

Reverbeo Leuchtscheibe_NetzteilVersorgung der LEDs für die Hintergrundbeleuchtung:

Die Versorgung erfolgt aus der Wicklung für die Anodenspannung der Röhren.
Ich habe eine Zweiweg-Gleichrichtung gewählt, um zum einen ein 100Hz- DC-Signal zu erzeugen (darum keine Einweg-Gleichrichtung) und um den Trafo gleichmäßig zu belasten.

Die gleichgerichtete Spannung wird mit einem Kondensator gesiebt.
Ich habe einen Folienkondensator 560nF / 450V gewählt. (470nF oder evtl. auch 390nF werden sicher auch hinreichend gut sieben).
Dies ist erforderlich, damit die LEDs beim Leuchten nicht flimmern.

Der nachgeschaltete Widerstand von 540k reduziert den LED-Strom auf den erforderlichen Wert. Ich war erstaunt, wie wenig Strom ausreicht, um die Hintergrundbeleuchtung hell leuchten zu lassen.
Der LED-Strom liegt im Bereich von ca. 500µA.

Die beiden Gleichrichter-Dioden müssen jeweils 1000V sperren können.

In dieser Schaltung ist es so, dass die Beleuchtung beim Einschalten sofort an ist, beim Ausschalten aber ca. 1 sec. nachleuchtet, bis sich der Kondensator halbwegs entladen hat.

Die Dioden habe ich direkt am Trafo angelötet, weil es dort ohnehin eine Befestigungsplatte mit Lötösen gibt.

Reverbeo_Dioden_klein Reverbeo_Dioden_2_klein
Anbringung der beiden Gleichrichterdioden für die LED-Spannung.

Ich habe zwei BY448 verwendet.

Der Test ergab u.a. Bild. Nun konnte alles fest eingebaut werden.

Reverbeo Leuchtscheibe_TestReverbeo Leuchtscheibe_Test2Testweiser Einbau der Hintergrundbeleuchtung :
In diesem Fall hatte ich die LEDs mit 1,8mA betrieben, was ein erheblich zu großer Strom war, denn  die LEDs leuchteten deutlich zu hell.

Mit dieser Art der Hintergrundbeleuchtung hat man die Möglichkeit, die Farbe der LEDs im Rahmen dessen, was verfügbar ist, zu variieren und der wesentlicher Vorteil gegenüber Standard-Leuchtfolien ist, dass es keine Inverterstörungen gibt, der Aufwand im Netzteil gering ist und die Hintgergrundbeleuchtung nicht mehr altert. Im Regelfall haben EL-Folien eine Halbwertszeit von ca. 10.000h. D.h.: Pro 10.000 Betriebsstunden halbiert sich die Helligkeit.

Philips Capella Reverbeo B7X43A Frontansich Skala / Skalenbeleuchtung repariert
Beleuchtete Skala im wieder zusammengebauten Radio.

Oben und unten leuchtet sie minimal heller, als in der Mitte. Diese kleine "Unschönheit" nehme ich gerne dafür in Kauf, das kein Inverter für eine Leuchtfolie benötigt wird. Hinzu kommt, dass die Farbe sehr gut zu dem magischen Fächer und dem Philips-Symbol passt.

Philips Capella Reverbeo B7X43A Frontansich Ansicht frontal Betrieb mit reparierter Skalenbeleuchtung / Hintergrundbeleuchtung
So sieht das fertig überarbeitete Radio aus:

Neuer magischer Fächer und die mittels 44 LEDs grün durchleuchtete  Skalenscheibe.



7. Gleichrichterröhre
Die Gleichrichterröhre, eine EZ81, war in meinem Gerät verschlissen. Ein System hatte so wenig Emission, dass es zur Versorgung des Radios fast nichts mehr beigetragen hatte. Die Anodenspannung war erheblich zu klein und der 50Hz-Anteil der Brummspannung war entsprechend groß. Mit einer neuen Röhre war der Fehler sofort behoben.

 

 



5. Siemens Regalsuper RB33 und RG44

 

Mir wurde ein Siemens RB33 zur Reparatur gegeben, bei dem der UKW-Empfang fehlerhaft war.
Das Gerät ist nicht mehr fliegend verdrahtet, sondern die Bauteile incl. der Röhren wurden überwiegend auf Pertinax-Platinen befestigt.

Siemens RB33Das Anfang der 60-er Jahre gebaute Radio Regalsuper RB33 wurde mir zur Reparatur gegeben.














Fehlerbild: Der UKW-Empfang setzt nach ca. 5min aus. (Kein UKW-Empfang)
Der Test ergab, dass dies tatsächlich stimmte, allerdings funktionierte der Empfang oberhalb ca. 90MHz.
Als Ursache des Fehlers hatte ich den UKW-Oszillator im Verdacht. Daher wurde die ECC85 gewechstelt. Dies verschlimmerte den Fehler allerdings so, dass der Empfang mit der getauschten Röhre überhaupt nicht mehr funktionierte.
Also hieß es, den UKW-Tuner zu öffenen und den Fehler zu suchen.
Nach einigen Tests war klar, dass die Anodenspannung der Oszillatorröhre zu klein war, sie lag bei ca. 20V.
Gemäß Schaltplan des RG44 sollten an der Stelle (PIN6 der ECC85) ca. 90V anliegen.
Somit war die Fehlerquelle gefunden. Es war R5 im UKW-Tuner.

Siemens Regalsuper RB33 WiderstandAnbei der Schaltplanauszug des RG44.
Die unten rechts angegebene Spannung von ca. 175V war vorhanden, die am Schwingkreis liegende Spannung betrug nicht ca. 90V, sondern nun ca. 20V.
Somit musste nur noch R5 auf der Tunerplatine gefunden und ausgetauscht werden.
R5 ist sehr schwer zugänglich.



Der Tausch von R5 erfolgte, indem ich ihn entlötet und in den Tuner hineinfallen lassen habe. Danach wurde er aus dem Gerät entnommen und durch zwei in Reihe geschaltete Widerstände ersetzt.
Ich habe deshalb zwei Widerstände verwendet, um den rel. hohen Spannungsabfall zu verteilen, weil Widerstände sehr häufig ausfallen, wenn an ihnen große Spannungen anliegen.
Den Ersatzwiderstand habe ich von der Leiterbahnseite bestückt.

Siemens Regalsuper RB33_Widerstand_Platine_klein.jpgAnsicht der Tunerplatine, nachdem das Gehäuse von der Unterseite geöffnet wurde. Es muss nur eine Schraube entfernt werden.
Der Ersatzwiderstand wurde aus zwei etwa gleich großen 0,6W Widerständen realisiert und von unten auf die Leiterplatte gelötet, weil der Ausbau der Leiterplatte mit erheblichem Aufwand verbunden wäre.

Defekter WiderstandDer defekte R5.
Von außen ist der Fehler nicht erkennbar.

Das Multimeter zeigt einen Wert von 2,8MOhm an...



 



6. SABA Freiburg 7 Automatic

 

Das SABA Freiburg 7 Automatic ist ein sehr anspruchsvolles Gerät. Es hat, wie auch der Grundig 5080, eine Gegentakt-Endstufe, die aus 2 Stk. EL84 aufgebaut ist, sowie einen automatischen Sendersuchlauf für alle Empfangsbänder.
Weiterhin sind die Bandschalter und Klangeinsteller beleuchtet. Der EIN-AUS-Schalter ist ein Taster, der durch wiederholtes Bedienen den Zustand wechselt. Die Musik-Sprache-Bedienelemente sind ebenfalls Taster, die, wie der EIN-AUS-Taster, ein internes bistabiles Relais betätigen. Die ZF-Bandbreite der AM-Bänder läßt sich über den Höhen-Steller verändern, der UKW-Tuner wird über Variometer abgestimmt und zu guter Letzt ist das Gerät fernbedienbar.
Saba Freiburg 7 Automatic Motorkondensatoren des Motors für den Sendersuchlauf
Bedingt durch die große Komplexität und das hohe Alter sind diverse Komponenten im Freiburg 7 zu überarbeiten. Nicht nur die Teer-Papier-Kondensatoren, sondern auch Kontakte, Röhren, Selen-Dioden, sowie der Abstimm-Motor selbst sind Fehlerquellen.

Reparaturhinweise:
Vor der Inbetriebnahme eines unrestaurierten Freiburg 7 sind die Papierkondensatoren / Teerkondensatoren zu wechseln!

1. Kondensatoren
Im Laufe der Jahre haben die Teer-Papierkondensatoren ihre Eigenschaften verändert und in vielen Fällen, nicht nur im Freiburg 7, hat sich ein gewisser Parallel-Widerstand ausgebildet, der gefährlich klein sein kann. Damit ist der Kondensator "DC-durchlässig", was sehr häufig zu schweren Fehlfunktionen führt.
Als Folge stimmt dann der z.B. Arbeitspunkt einer Röhre nicht (prominentester Fall die Endröhre, die eine glühende Anode bekommt), der NF-Frequenzgang ist "verbogen", die Höhen- / Tiefen- Einstellung funktioniert nicht gem. Plan oder, insbesondere im Freiburg 7, ist ein Schwingkreis verstimmt. Zusätzlich können sich Folgefehler einstellen, wie z.B. ein überlasteter Selen-Gleichrichter für die Anodenspannungserzeugung.

In meinem Freiburg 7 waren sämtliche Teerkondensatoren fehlerhaft. Somit habe ich sie alle ersetzt, egal wie sie mechanisch ausgeführt waren. Besondere Aufmerksamkeit gilt den beiden Kondensatoren C132 und C135 , die am Abstimm-Motor "sitzen" sie bilden mit der Induktivität des Motors einen Schwingkreis. Daher ist es für die Funktion des Sendertsuchlaufs wichtig, dass ihr Wert (Kapazität) stimmt und dass sie fehlerfrei sind. Ferner ist sehr wichtig, dass sie eine ausreichend große Spannungsfestigkeit aufweisen, da sie Bestandteil eines Schwingkreises sind, an dem eine deutliche Spannungsüberhöhung auftritt. Die Spannungsfestigkeit der Original-Kondensatoren hat also ihre Berechtigung.


Saba Freiburg 7 Schaltbild Motor Kondensatoren. Ersetzen der Motorkondensatoren des Steuermotors / Abstimmmotors  für den SuchlaufLage der Motorkondensatoren C135 und C132
im Schaltplan

Durch Resonanzüberhöhung stehen an den Kondensatoren große Spannungen an.

Die Kapazitätswerte sind einzuhalten.
Wenn ein passender Wert nicht erhältlich ist, lassen sich auch zwei oder mehr Kondensatoren parallel schalten. Auf diese Weise habe ich den nötigen Wert "eingestellt".

In meinem Gerät habe ich die alten Kondensatoren mit einem Heißluftgebläse erwärmt, so dass sich der Teer verflüssigt hat. Dann habe ich die Papierrolle aus dem Glasrohr herausgezogen und danach den neuen Kondensator wieder ins Glasrohr geschoben. Dazu wurde der alte "Verschluß" wieder verwendet.

Freiburg 7 Automatic Motorkondensatoren, montiert
Ansicht des Chassis von unten

Rechts sind die beiden Kondensatoren für den Steuermotor. Sie werden über ein Metallband fixiert. Der ebenfalls unten sichtbare gelbe Kondensator ist bereits erneuert.
Weil sich die Styroflex-Kondensatoren als unauffällig erwiesen haben, ist ein Wechsel nicht notwendig.

Zu der im Bild sichtbaren Glasdiode (zwischen den beiden grauen Widerständen) folgt weiter unten mehr.
Hinter dem 1MΩ-Widerstand und der Glasdiode befindet sich ein Kondensdator, der noch nicht gewechselt wurde.

Ein Sicherheitsrisiko stellen C96 und C97 dar! Sie verbinden die Netzseite mit der Gerätemasse. Wenn sie schadhaft sind, besteht die Gefahr, dass die Gerätemasse, also das Chassis des Radios, auf Netzpotential liegt! Diese Kondensatoren gehören aus Sicherheitsgründen entfernt oder durch normgerechte Y-Kondensatoren ersetzt.

SAba Freiburg 7 Entstörkondensatoren
C96 und C97 im Schaltbild


Wenn einer der Kondensatoren leckt, besteht die Gefahr des elektrischen Schlages beim berühren von Geräteteilen. Beide Kondensatoren sollten daher dringend erneuert oder komplett entfernt werden.

Da die Kondensatoren sicherheitsrelevant sind, können nicht irgendwelche Folienkondensatoren benutzt werden, sondern nur solche, die den gültigen Sicherheitsanforderungen (Y-Kondensatoren) entsprechen.

Ich habe alle Teer-Kondensatoren und Wima-Kondensatoren (braune "Wima-Bonbons") durch axiale und entsprechend spannungsfeste Folienkondensatoren ersetzt. Die Styroflex-Kondensatoren müssen nicht gewechselt werden.

Defekte Kondensatoren / Teerkondensatoren
Beispiele defekter Kondensatoren.

Die Bauform oder das Aussehen sind völlig unerheblich. Der Kondensator oben links ist einer der Motorkondensatoren, der aus der Glasröhre herausgenommen wurde.
Die blauen und grauen Kondensatoren befinden sich ebenfalls in einer Glasröhre.


axiale Kondensatoren, Beispiel
3 Beispiele für axiale Ersatz-Kondensatoren.

Axiale Kondensatoren fügen sich wesentlich besser in das Gerätebild ein, als radiale, weil sie von der Drahtführung dem Original entsprechen. Die Anschlußdrähte von radialen Kondensatoren zeigen nämlich immer in die falsche Richtung. Leider ist es aber so, dass axiale Kondensatoren nur schwer verfügbar und zudem teuer sind. Das Freiburg 7 ist es aber ohne Frage wert, diesen Mehraufwand in Kauf zu nehmen.


2. Dioden
Im Freiburg 7 sind diverse Selen-Dioden verbaut.
Zunächst ist hier der Gleichrichter für die Anodenspannung zu nennen. Häufig sind diese Brückengleichrichter defekt, sie werden im Betrieb sehr heiß. Die Ursache kann eine vorhergegangene Überlastung sein, z.B. weil die Endröhren einen zu großen Anodenstrom in Folge eines defekten Kondensators am Gitter 1 gezogen haben.
In meinem Gerät wurde der Gleichrichter sehr warm. Ich habe versucht ihn zu dadurch zu "heilen", dass ich das Radio beim Erreichen von ca. 50° Gleichrichtertemperatur abgeschaltet habe und erst nach einer längeren Ruhephase wieder eingeschaltet habe. So blieb der Gleichrichter nach einigen Monaten im Betrieb kühler, als zu Anfang der "Kur".

Schaltplan Freiburg 7 Automatic Netzteil, SelengleichtichterSchaltbild des Netzteils Im Netzteil werden an zwei Stellen Dioden aus Selen verwendet:

1) Der Brückengleichrichter für die Anodenspannug Gr.1
    (B250 C150)
2) Die Einzeldiode Gr.2 (E25 C2) für negative
    Vorspannungen der Röhren.
    Diese Diode war in meinem Gerät hochohmig,
    funktionierte also nicht mehr.Ich habe sie durch eine
    Siliziumdiode ersetzt.

Nicht nur der Brückengleichrichter kann ausfallen, sondern auch andere Selen-Gleichrichter. So ist die Diode Gr.2 (E25 C2) hochohmig gewesesen.

Selen-Diode
Aussehen der Diode Gr.2

Im Netzteil habe ich sie durch eine 1N4007 ersetzt.

Auf Grund des geringen Stromes ist eine 1N4148 ebenfalls geeignet.

Freiburg 7 Automatic Gr2
Lage der Diode Gr.2 im Gerät

Hier ist bereits eine 1N4007 eingesetzt.

Links neben dem Trafo ist der Kathodenwiderstand der beiden Endröhren erkennbar. Die Schwärzung in der Mitte ist die Folge eines erheblich zu großen Anodenstromes.

Eine weitere Diode, Gr.3 (E62,5 C2), aus Selen war im Bereich der Sendersuchlaufschaltung hochohmig. Auch sie musste ersetzt werden. Sie ist im Schaltplanauszug  "Lage der Motorkondensatoren im Schaltplan" aufgeführt.

Gr.3 Originalzustand
Gr.3 neu Diode Gr.3 im Originalzustand und ersetzt.

Auch hier reicht eine Kleinsignaldiode, die ca. 100V sperren kann.



 

3. Abtimmm-Motor / Steuer-Motor:
An vielen Fundorten im Netz ist zu lesen, dass der Abstimm-Motor in allen SABA-Geräten zu Ausfällen neigt. Meist wird über Kurzschlüsse innerhalb einer Wicklung berichtet. In meinem Gerät war der Motor auch defekt. Allerdings nicht, wie oft berichtet, wegen eines Kurzschlusses, sondern wegen einer hochohmigen Wicklung. Daher musste der Motor ausgebaut werden. Die Untersuchung ergab, dass ich die defekte Wicklung nicht, ohne sie abzuwickeln, reparieren konnte. Daher habe ich einen gebrauchten Motor gekauft und eingebaut. Dennoch gibt es ein paar erwähnenswerte Fakten zum Motor.

Motoranschluss
Ansicht der Motor-Anschluss-Platte

An der Pertinax-Platte sind 6 Lötstützpunkte vorhanden, an denen die Motorwicklungen und die Anschlüsse in Richtung Gerät angebracht sind.
Die Motordrähte sind sehr dünn und damit bruch- und reißempfindlich.

Hier ist der defekte Original-Motor mit nicht gesäuberter Anschluß-Platte zu sehen (Das  Einleitungs-Bild oben zeigt den neuen Motor mit gesäuberter Platte).
Der Motor hat 4 Wicklungen mit jeweils einem roten und gelben Anschlußdraht. Im Schaltplan (oben) habe ich die Wicklungen mit 1...4 sowie einem r fürt rot und einem g für gelb gekennzeichnet.


Ein defekter Motor muss natürlich ausgebaut werden. Dazu werden zunächst die Anschlußdrähre, die ins Gerät gehen von der Anschluß-Platte abgelötet. Der Original-Zustand der Verdrahtung wird vorher über Photos, z.B. mit dem smart-phone dokumentiert.

Motoranschluß 2Motoranschluß 3
Beispielbilder für den Motoranschluß

Nachdem die Verdrahtung gelöst ist, kann der Motor abgeschraubt werden. Er ist mit 3 rot verlackten Schrauben über Winkelbleche am Chassis befestigt.

Motorschrauben
Lage der Motor-Befestigungsschgrauben (2 von 3).

Die dritte Schraube wird in diesem Bild vom Motor verdeckt. Sie befindet sich am "oberen" Ende des linken Befestigungswinkels.
Der silber schimmernde Bügel links vom Motor ist Bestandteil des Getriebes, das bei dieser Gelegenheit ebenfalls ausgebaut werden sollte, damit es gereinigt und mit Vaseline leicht geschmiert werden kann.

Die Zahnräder des Getriebes sind mittels einer Feder gegensinnig vorgespannt. Diese Spannung muss beim späteren Zusammenbau wieder hergestellt werden, damit die Zähne von Motor und Getriebe spielfrei ineinander greifen. Zu beachten ist, dass die Spannung nicht zu groß ist, denn dann wird der Antrieb schwergängig. Die Spannung ist also nur minimal (ca. 1/4 bis 1/2 des möglichen Federweges).

 

Wenn der Motor ausgebaut ist, kann er nötigenfalls zerlegt und geölt werden. Wenn eine Spule ausgebaut und neu gewickelt werden soll, muss er vollständig zerlegt werden. Dazu müssen
1) sämtliche Spulenanschlüsse von der Anschlußplatte abgelötet werden.
2) die 4 Muttern der Haltebolzen gelöst werden. Die Bolzen sind Bestandteil der hinteren Halteplatte, die auch das Motorlager trägt.

ausgebauter Motor mit Hinweis Haltebleche und defekte Spule
Ausgebauter Motor

Markiert sind die Haltebleche (s.u.) und die bereits entfernten Muttern. Die defekte Spule ist ebenfalls noch vorhanden.


3) Es kann der Läufer ausgebaut werden. Es ist an dieser Stelle nicht zwingend nötig und kann auch später erfolgen (wenn das Lager geölt werden soll). Beim Ausbau des Läufers ist die Reihenfolge der Scheiben zwischen Sprengring und Halteplatte zu beachten.

 

Saba Freiburg:  Motor für Suchlauf, ausgebaut
Ausgebauter Motor.

Die Spule "2" ist hier bereits entnommen, weil sie hochohmig war. Der Läufer besteht aus dünnem Aluminium und ist daher empfindlich gegen Verformungen. Die 4 Muttern müssen abgeschraubt werden, um den Motor zu zerlegen und die Spulen auszubauen. Sie werden mit kleinen Federblechen fixiert, die vor dem Spulenausbau herausgenommen werden müssen.
Die Isolierfolien dürfen nicht beschädigt werden, weil am Motor große Spannungen anliegen. Es besteht sonst die Gefahr eines Überschlages zwischen Spule und dem Blechpaket des Motors.

Wegen Rostbildung sitzen die Bolzen im Blechpaket sehr fest.

Motor, offen. Hinweis auf Haltebleche für die 4 Motorspulen
Lage der Haltebleche

Die Spulen werden mit insgesamt 8 Halteblechen fixiert.
Vor Entnahme einer Spulen sind die entsprechenden Haltebleche zu entfernen. Danach kann sie Spule vom Kern heruntergezogen werden.

Spule 2 fehlt diesem Motor, weil ich sie ausgebaut habe.

 

Motor Gummiringe
Lage der Gummiringe

An der Halteplatte befinden sich 4 Gummiringe, die die Anschlußdrähte fixieren. Sie gehen beim Zerlegen leicht verloren.

Läuferfixierung 2Läuferfixierung
Läuferfixierung

Der Läufer wird über einen Sprengring und mehrere Unterlegscheiben fixiert. Beim zerlegen und wieder zusammenbauen ist die Reihenfolge der Scheiben zu beachten. Zur Vereinfachung des Läuferausbaus kann das Federblech abgebaut werden (Bild links).
Wenn das Lager gesäubert und geölt wurde, dreht der Läufer ca. 5...10 sec.


Motor,zerlegt
Zerlegter Motor

Der Läufer ist noch mit der hinteren Befestigungsplatte verbunden. Ein Befestigungswinkel und 4 Haltebleche sind ebenfalls demontiert. Weil die Eisenteile Rost angesetzt haben, läßt sich der Motor nur sehr mühsam zerlegen. Sanfte Gewalt in Form von leichten Hammerschlägen war bei mir erforderlich, um die hintere Platte mit den Bolzen aus dem Blechpaket heraus zu bekommen.


Motor, teilzerlegt, Freiburg 7 Automatic

Zum Abschluß füge ich noch ein Montagebild für den Motor ein, das die Verdrahtung der Spulen auf der Anschlußplatte verdeutlicht:

Motorverdrahtung
Verdrahtung der Motorspulen

4. Lager
Im Freiburg7 Automatic befinden sich sehr viele Lager. Es sind die Lager der Läufer (Rotoren) der Motoren, des Drehkos für die AM-Bänder, Variometer für UKW, Umlenkrollen der Skalenseile und Seile der Ferritantenne, der Potiachsen, des Hand-Abstimmrades und die der (Motor-)Getriebe für den Sendersuchlauf und die Lautstärke. Viele dieser Lager sind geölt oder gefettet. Nach nunmehr ca. 60 Jahren sind diese Schmierungen verharzt. Im Ergebnis sind die geschmierten Lager schwergängig und die Funktion des Sendersuchlaufs funktioniert nicht zufriedenstellend oder ein Poti ist extrem schwergängig. Hier heißt es, Lager säubern und mit harzfreiem Fett / ÖL neu ölen oder fetten. Wie bereits oben erwähnt, war der Steuer-Motor schwergängig. Nach der Säuberung und neuen Ölung lief er völlig leicht. Das Lautstärke-Poti war ebenfalls schwergängig, hier waren die Lager der Getrieberäder und das Getriebe trocken. Ein wenig Öl wirkte hier Wunder. Beim Freiburg 7, aber auch anderen Radios, war die gesamte Abstimm-Mechanik schwergängig. Der Sendersuchlauf quälte sich langsam bewegt oder bei anderen Radios, die zum Teil auch Schwungräder haben, ließ der Schwung sofort nach und der Abstimmzeiger blieb nach dem Schwung holen sofort stehen. Ursächlich hierfür waren in allen Fällen schwergängige Drehkos, Schwungradlager und Umlenkrollen der Skalenseile. Bei Freiburg 7, das kein Schwungrad hat, waren es Motor und Getriebe, sowie sämtliche Umlenkrollen der Skalenseile.
Die Lager der Umlenkrollen und Getriebe-Zahnräder habe ich mit etwas Vaseline leichtgängig gemacht, den Motorläufer, schnell drehende Achsen, Potiachsen und Lager der Getrieberäder habe ich mit harzfreiem Öl behandelt. Zusätzlich habe ich, was ebenfalls Wunder wirkt, die Spannung in den Skalenseilen durch eine kleine Verlängerung (im Freiburg 7,  Grundig 5080,  Philips Capella Reverbeo und anderen) verringert.
Zum säubern bietet sich Waschbenzin, manchmal aber auch frisches Öl an. Mitunter muss das Reinigungsmittel einige Zeit einwirken.
Um Vaseline in die Umlenkrollen-Lager zu bekommen, habe ich "flüssige" Vaseline von Kontakt-Chemie verwendet (Vaseline 701). Sie ist sehr schwer aus der Sprühdose anzubringen. Daher kann sie in ein kleines Gefäß gesprüht werden und mit einem Schraubendreher tropfenweise an der Schmierstelle angebracht werden. Alternativ läßt sich die Vaseline auch in Waschbenzin langsam auflösen und mittels kleinem Schraubendreher oder aufgezogen in einer Injektionsspritze mit abgeschliffener (stumpfer) Kanüle anbringen.

Injektionsspritzen mit Fett und gelöster VaselineInjektionsspritzen

Die obere ist mit einem Fett gefüllt, die untere mit gelöster Vaseline. Die gelöste Vaseline dringt sehr gut in die Lager der Umlenkrollen. Vor einer ausgiebigen Benutzung sollte das Waschbenzin einen halben Tag verdunsten können.

Punkte, die geölt/gefettet werden solltenPunkte, die geölt / gefettet werden sollten
Chassisansicht von unten.
Beispiele für Punkte, die gereinigt und geschmiert werden sollten.


SAba Freiburg 7 Automatic: Umlenkrollen und Potis zum ölen / fetten
Chassis von vorne, gekennzeichnete Potis und Umlenkrollen

Die markierten Potis und Umlenkrollen stellen eine große, aber nicht die komplette Anzahl der zu schmierenden Stellen dar.
Hier nicht sichtbare Umlenkrollen sind ebenfalls zu behandeln. Es sollten Fette und Öle verwendet werden, die nicht verharzen oder die Kunststoffe angreifen.

5. Kontakte
So, wie in 60 Jahren die Öle verharzen, sind auch die Kontaktoberflächen stark geschädigt. Die Kontakte sind versilbert, was äußerst lästig ist, denn das Silber läuft im Laufe der Zeit schwarz an. Diese Schwärzung der Oberfläche ist elektrisch nicht leitendes Silbersulfid. Um zu einem funktionierenden Kontakt zu kommen, muss das Silbersulfid entfernt werden. Kontaktspray K60 ist hierzu allerdings in keinster Weise geeignet. Zum einen kann es die Oberfläche nicht gründlich vom Silbersulfid befreien, zum anderen sind die Rückstände im Gerät, also an den Kontakten und deren Umgebung chemisch weiterhin aktiv und greifen die Oberflächen an. Dabei bildet sich dann eine blau-grün gefärbte Flüssigkeit.
Bei Röhrenradios ist zudem zu beachten, dass über den Kontakten zum Teil sehr hohe Spannungen liegen und leitende Rückstände des Reinigungsmittels zu Kriechströmen führen können. Diese Kriechströme können zu Fehlfunktionen und Kohlenstoffbrücken auf dem Trägermaterial der Schalter führen.
Daher ist eine Kontaktreinigung nur dann ratsam, wenn es auf Grund von sulfidierten Kontakten zu Funktionsausfällen und starken Beeinträchtigungen der Funktionen gekommen ist.
Besonders kritisch sind Kontaktprobleme im Tastenaggregat, weil diese Kontakte zumeist extrem schwer zugänglich sind.
Beim Freiburg 7 Automatic hatte ich mit den Kontakten des Tastenaggregats keine Probleme.
Andere Kontakte hingegen zeigten Ausfälle.
Zu nennen sind hier:
- Sämtliche Kontake am Schalter der  Ferritantenne
- Taster für Sprache u. Musik
- Lautsprecherschalter an der Geräterückwand
- Endlagenschalter des Sendersuchlaufs
- Kontakte der Wellenschalter / Bandschalter U,K,M,L,TA für die Schalterbeleuchtung

5.1 Reinigen der Kontakte
Da Kontaktspray weniger geeignet ist, weil es Silbersulfid nicht zuverlässig entfernt, verwende ich für versilberte Kontakte ein Silber-Tauchbad. Dies wird üblicher Weise zum Reinigen von Besteck und Silberschmuck verwendet. Wenn die Kontakte leicht zugänglich sind, benetze ich ein Wattestäbchen oder Tuch mit dem Tauchbad und reibe die Kontakte so lange sauber, bis die schwarzen Beläge entfernt sind. Wenn die Kontakte unzugänglich sind, lasse ich das Mittel in die Schalter so hineinlaufen, dass die Kontaktflächen möglichst gut benetzt werden. Wenn schweflige Gerüche entstehen, ist dies ein sicheres Zeichen dafür, dass das Mittel auf Silbersulfid-Flächen einwirkt. Während der Einwirkphase betätige ich die Schalter mehrfach, bis ich annehme, dass alle Flächen benetzt und gereinigt sind. Auch hier eignet sich eine Injektionsspritze mit stumpfer Kanüle sehr gut, um das Reinigungsmittel oder destilliertes Wasser gezielt und gut dosiert an die Kontakte zu bringen.
Anschließend wird gründlich mit destilliertem Wasser gespült. Auch dabei werden die Schalter / Kontakte bewegt. Natürlich ist darauf zu achten, dass das Tauchbad und Wasser mit einem Papiertuch aufgefangen werden muß, damit sie im Gerät keinen Schaden anrichten.
Nach der Spülung werden die Kontakte mit Pressluft gründlich von Wasserrresten befreit. Auch hierbei ist zu beachten, dass das Wasser nicht unkontrolliert durch das Gerät spritzt, sondern von Papiertüchern aufgefangen wird. Die Pressluft kommt bei mir aus einem kleinen Druckluftkompressor mit Druckspeicher.

Bei extrem hartnäckigen Belägen verstärke ich die Wirkung des Silbertauchbades mit Thioharnstoff, dem eigentlichen Wirkstoff im Silbertauchbad. Dazu löse ich eine Priese davon in ca. 3ml Tauchbad auf.

-----------Fortsetzung folgt--------

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