

"Der Skantic" ist ein "Tönmöbel" aus den 50-er Jahren. Er stammt aus Schweden, wo ich ihn in einem Winterurlaub 1989 entdeckt hatte. Er stand einsam und verstaubt in einer Kammer herum und wurde nicht mehr genutzt. Da er mein Interesse geweckt hatte, habe ich dem Eigentümer am 31.12.89 mittags für das Gerät eine Flasche hochprozentigen Rum (54%) angeboten, worauf hin er mir das Gerät nach einem längeren Vortrag über defekte und abgestandene Röhren und nicht formierte Elkos überließ. Für die Rückreise wurden die Beine abgeschraubt und das Gerät auf der Rücksitzbank des Autos abgelegt. Ich hatte das Gerät schon im Ferienhaus mit Erfolg in Betrieb genommen. Es war nichts defekt und auf Langwelle war der damals neue Sender Atlantic252 zu hören. Inzwischen ist der Sender auch Geschichte....
(Ich war damals sehr überrascht, daß man auf Langwelle einen komerziellen Pop-Sender installiert hatte.)
Der Skantic ist ein Kombi-Gerät, mit dem man unter anderem auf einem Stahldraht (Tondraht) Sprache und Musik aufzeichnen kann. Heute würde man Kompaktanlage zu dem Gerät sagen. Ein derartiges Drahttongerät hatte ich zuvor nicht gesehen.
In der Zubehörschublade des Tonmöbels fanden sich auch einige Nadeln für den Plattenspieler (Schellackplatten) und Tondrähte auf mehreren Spulen sowie ein Mikrofon.
Bei genauerer Hinsicht fällt auf, daß dieses Gerät sehr denen der Fa. Luxor ähnelt. Eine kurze Übersicht zur Tondrahtgeschichte und einige Bilder zu Geräten der Fa. Luxor finden sich hier: http://www.johansoldradios.se/wirerecorders/wirehistory.htm
Das Skantic Tonmöbel
Typ: S 295 M
Links ist das Plattenspielerlaufwerk zu erkennen. Es dient gleichzeitig auch als Laufwerk für den Tondraht. Im rechten Teil befindet sich der Rundfunkempfänger. Der Vogel auf dem Lautsprecherbespannstoff trägt den Schriftzug "Skantic Radio" (s.o.). Er dient als Betriebskontrolleuchte.
Für das Radioteil und das Laufwerk gibt es je eine Abdeckklappe. Die Klappe vom Laufwerk ist abschließbar.
Das Drahttongerät: Zur Aufzeichnung von Rundfunkprogammen, Schellackplatten oder Mikrofonsignalen wurde ein dünner Stahldraht verwendet. Bei einer Geschwindigkeit von ca. 60cm/sec. ergibt sich für eine Spieldauer von 1 Stunde eine Drahtlänge von etwa 2km, die sich bequem auf einer Spule von 7cm Durchmesser aufwickeln lassen, da der Tondraht einen Duchmesser von nur 0,09mm hat. Bei der Aufnahme / Wiedergabe wird der Tondraht von der kleinen Spule abgewickelt und auf eine Trommel, die gleichzeitig als Plattenteller dient, umgespult. Als Einfädelhilfe dient ein Vorspann aus Papier. Dieser Vorspann klemmt in der Spulvorrichtung des Plattentellers, sodaß man den dünnen Draht nicht manuell fixieren muß. Beim Zurückspulen wird der Papiervorspann auf die Tondrahtspule gewickelt, auf der er ebenfalls leicht klemmt. Somit kann der Tondraht nicht von der Spule herunterfallen. Der bespielte Draht kann immer wieder "gelöscht" und für neue Aufnahmen verwendet werden. Mit einem Drahttongerät war bereits Anfang der 50-er Jahre ein Frequenzumfang von 50-10.000 Hz möglich.
Tondrahtspule der Fa. Skantic.
Der Außendurchmesser beträgt 7cm. Im Vordergrund ist der Papierstreifen, der zur Drahtfixierung dient, gut zu erkennen.
Wie mit einem gerissenen Draht verfahren wird, ist hier nachzulesen.
Die beiligenden Spulen sind noch mit Tondokumenten aus der damaligen Zeit bespielt, schwedischem Rundfunkprogramm und Mikrofonaufzeichnungen.
Beispiel des Originaltons. Es ist ein BBC Mitschnitt (Victor Sylvester), vermutlich Ende der 50-er Jahre aufgezeichnet. Zwischen dem ersten und zweiten Musikstück befindet sich ein Schnitt. Das "Rascheln" im Hintergrund ist nicht auf der Aufzeichnung, sondern wurde durch einen schlechten Kontakt am Drahttongerät erzeugt (580k).
Erfunden wurde die magnetische Tonaufzeichnung von dem dänischen Elektroingenieur Valdemar Poulsen , 1869–1942. Er erfand (1898) das Telegraphone (ein frühes Draht Aufnahmegerät) .
Tondrahtspule und Verpackungen.
Das Platten / Drahtlaufwerk Links befindet sich die Bedienleiste. Hier wird das Laufwerk an- oder ausgeschaltet, auf Platten- oder Drahtwiedergabe und auf die unterschiedlichen Aufnahmenquellen geschaltet. Links unten befindet sich die Aufnahme für die Drahtspulen. Der silberfarbene Block in der Mitte ist der Tonkopf und rechts liegt der Plattenteller, in dem ein Spalt vorhanden ist, in dem der Draht beim Abspielen aufgewickelt wird. Rechts unten steht eine Tondrahtspule mit abgerissenem Vorspann. Oberhalb des Plattentellers befindet sich eine Art Zählwerk. Die Zählung erfolgt in Minuten.
Die Aufzeichnung auf Draht ist, das zeigen die Erfahrungen mit dem hier vorliegenden Material, langlebig. Im Gegensatz zur Aufzeichnung auf Polyesterfolien, die mit einer magnetischen Schicht versehen sind , also Tonbandkasetten und Tonbändern, kann der Tondraht kein Wasser aufnehmen, was bei Tonbändern zu Quietschen führt, und es kann sich die Magnetschicht nicht lösen. Ein weitere Vorteil ist die Temperaturbeständigkeit. Mir liegt eine Drahtspule eines Flugschreibers vor, die ein sehr ähnliches Aussehen hat.
Das Laufwerk im Betrieb
Rechts liegt das beleuchtete Zählwerk.
Die Lampe unter dem Tonarm dient zur Beleuchtug des Laufwerks im Ganzen. Hiermit ist es einfacher, bei schlechten Lichtverhältnissen eine Platte aufzulegen oder einen Tondraht einzufädeln.
(Das Bild wurde mit 1/8-tel Sekunde ohne Blitz aufgenommen)
Damit der Tondraht möglichst gleichmäßig gewickelt wird, bewegt sich der Tonkopf im Betrieb auf und ab.
Tonkopf oben
Auf diesem Bild befindet sich der Tonkopf oben. Bei genauem Hinsehen ist zwischen Tonkopf und Plattenteller der Tondraht zu sehen.
Tonkopf unten
Hier ist der Tonkopf unten
Das Radio: Der Skantic S295M ist mit einem sehr komfortablen Radioteil ausgestattet. Es beinhaltet Langwelle, Mittelwelle und Kurzwelle, verteilt auf drei Bereiche. Von 11m bis 120m. UKW und FM hat er noch nicht. Die Abstimmung ist mit einem großen und schweren Schwungrad versehen, sodaß man am Abstimmknopf einmal kräftig Schwung holen kann und sich der Zeiger dann über den gesamten Abstimmbereich bewegt.
Der NF-Teil ist auch sehr großzügig gebaut: Großer Lautsprecher mit einem Verstärker, der problemlos auch tiefste Frequenzen wiedergeben kann. Dementsprechend klingt der Skantic dann auch "bullig".
Lautstärkepoti und Einschalter befinden sich an der rechten Außenseite des Gerätes. Der Sinn kann darin liegen,daß man so das Gerät aus- und einschalten kann, ohne die Abdeckklappe öffnen zu müssen.
 Die Röhrenbestückung: Radioteil: 6J6 - EM4 - 6BA6 - 2 Stk. 6AV6 - 2 Stk. 6P25 Netzteil: AZ4 Magneton: 6X4 - 6AQ5 - 6AT6 - EF40
Das Radio.
Links sind die Bedienelemente für die Höhen- und Basseinstellungen.
In der Mitte liegt der Drehknopf für die Senderwahl und
rechts ist der Bandwahlschalter.
Die Skala des Skantic:
Sehr übersichtlich gestaltete Skala für alle Wellenbereiche. Links oben leuchtet das Magische Auge. In diesem Gerät ist es eine EM4. Da die originale EM4 schon sehr dunkel war, schenkte mir ein Freund - DJ0UD - eine Neue.
Auch von Innen und der Rückseite ist der Skantic S295M recht ansehnlich und durchdacht. Die Rückwand läßt sich ohne Werkzeug sehr einfach abnehmen. Hierzu sind im unteren Bereich zwei Veriegelungen zu öffnen. Danach läßt sich die Rückwand sehr einfach abnehmen.
Rückwand des Radioteils. Beim Abnehmen der Rückwand wird das Netzkabel über eine Steckverbindung vom Gerät getrennt.
Innenansicht des Skantic:
Rechts ist z.T. der Lautsprecher sichtbar. Die große Röhre im Vordergrung ist der Gleichrichter, die beiden übereinander angeordneten Röhren sind die NF-Endstufe.
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Weitere Geräte, wie z.B. der Thor (Die Lamelle), werden hier ebenfalls erschienen.
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